Hölderlin-Nürtingen

VIDEO 7 / Geschichte und Zukunft

Geschichte und Zukunft

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Geschichte und Zukunft

Hölderlin wollte mit seiner Poesie nichts weniger, als zur Verbesserung der Menschheit beitragen. An den Bruder schrieb er im September 1793: „Ich liebe das Geschlecht der kommenden Jarhunderte. Denn diß ist meine seeligste Hofnung, der Glaube, der mich stark erhält und tätig, unsere Enkel werden besser sein, als wir, die Freiheit muß einmal kommen, und die Tugend wird besser gedeihen in der Freiheit heiligem erwärmenden Lichte, als unter der eiskalten Zone des Despotismus. Wir leben in einer Zeitperiode, wo alles hinarbeitet auf bessere Tage.“

Lebenslauf  (Zweite Fassung)

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
   All uns nieder; das Laid beuget gewaltiger;
      Doch es kehret umsonst nicht
         Unser Bogen, woher er kommt.

Aufwärts oder hinab! herrschet in heil’ger Nacht,
   Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,
      Herrscht im schiefesten Orkus
         Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?

Diß erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich
   Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,
      Daß ich wüßte, mit Vorsicht
         Mich des ebenen Pfads geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
   Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern’,
      Und verstehe die Freiheit,
         Aufzubrechen, wohin er will.                          Friedrich Hölderlin, 1800

Unentbehrlich und ergänzend zum Glauben an den Fortschritt der Geschichte und der Menschheit in eine bessere Zukunft ist für Hölderlin vor allem die Poesie. Sie ist für ihn ein „Panacee“, ein Allheilmittel, das „die Deutschen wohl brauchen“. Am 1. Januar 1799 schrieb er an den Bruder: „Ich will nun sehen, ob ich noch etwas von dem, was ich Dir neulich über Poesie sagen wollte, herausbringen kann. Nicht, wie das Spiel, vereinige die Poesie die Menschen, sagt‘ ich; sie vereinigt sie nemlich, wenn sie ächt ist und ächt wirkt, mit all dem mannigfachen Laid und Glük und Streben und Hoffen und Fürchten, mit all ihren Meinungen und Fehlern, all ihren Tugenden und Ideen, mit allem Großen und Kleinen, das unter ihnen ist, immer mehr, zu einem lebendigen tausendfach gegliederten innigen Ganzen, denn eben diß soll die Poesie selber seyn, und wie die Ursache, so die Wirkung. Nicht wahr. Lieber, so eine Panacee könnten die Deutschen wohl brauchen, auch nach der politisch philosophischen Kur; denn, alles andre abgerechnet, so hat die philosophisch politische Bildung schon in sich selbst die Inkonvenienz, daß sie zwar die Menschen zu den wesentlichen unumgänglich nothwendigen Verhältnissen, zu Pflicht und Recht, zusammenknüpft, aber wie viel ist dann zur Menschenharmonie noch übrig? Zu einem lebendigen tausendfach gegliederten innigen Ganzen, denn eben diß soll die Poesie selber seyn.“

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