Hölderlin-Nürtingen

VIDEO 10 / Die Teufelsbrücke

Die Teufelsbrücke

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Die Teufelsbrücke

Der Rundwanderweg „In Hölderlins Landschaft“ führt auch zur Teufelsklinge und zur uralten Teufelsbrücke. Hölderlin und sein Bruder Karl besuchten gern und oft den Ulrichstein. Ein Weg führte von Nürtingen durch eine Maulbeer-Allee nach Oberensingen. Von dort gelangten sie über die Teufelsbrücke in den kleinen Ort Hardt und weiter zum schon damals berühmten Felsen. Diese gemeinsamen Ausflüge nennt Hölderlin ‚Goldne Spaziergänge‘.
Die Teufelsklinge ist als Ort bekannt, wohin Aberglaube und Sage manchen seltsamen Spuk verlegen. Untere dem „Spuk“ sind vor allem Geister- und Teufelsbeschwörungen gemeint. Berühmt war die Gegend hauptsächlich durch die Hexenbanner aus Wolfschlugen. Früher glaubten die Menschen an Geister und Hexen. Wer Hilfe suchte, ging zum Hexenbanner, einem Mann, der böse Geister bannen konnte, indem er sie in einen Sutterkrug (Mostkrug) zauberte, diesen zur Teufelsklinge brachte und dort vergrub.
Der Teufelsbach bildet die Grenze zwischen Hardt und Oberensingen. Seine tief eingeschnittene Klinge wird von der Teufelsbrücke überspannt, einem eindrucksvollen Zeugnis alter handwerklicher Baukunst. Historische Quellen bescheinigen der Teufelsbrücke ein Alter von über fünfhundert Jahren. Bis ins Jahr 1497 sind die Bauakten nahezu lückenlos erhalten. Sie gehört somit zu den ältesten Steinbrücken Südwestdeutschlands.
Seit der letzten Sanierung im Jahr 2014 ist die beeindruckende Größe dieses historischen Bauwerks wieder erkennbar.
Seit dem Mittelalter wurden die Sandsteine der Oberensinger Steinbrüche über die Teufelsbrücke befördert. Von hier begann der Weg tonnenschwerer Quader auf Pferdewagen und Ochsenkarren auch zu weit entfernten Baustellen. Aus ihrem Stubensandstein fertigten die Oberensinger Steinhauer über Jahrhunderte begehrte Mühl-, Mahl-, Schleif- und Werksteine.
Die Teufelsbrücke war eine viel benutzte historische Verkehrsachse von der Schwäbischen Alb ins württembergische Unterland; für Stadt und Amt Nürtingen der kürzeste Weg zur Residenzstadt Stuttgart. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie durch den Bau der Landesstraße vom Hauptverkehr abgeschnitten und hat so die Jahrhunderte überdauert.
Im Lauf ihrer über 500-jährigen Geschichte wurde die Teufelsbrücke häufig saniert. Für die Sanierung der Teufelsbrücke in Hölderlins Zeit engagierte sich 1777 Oberamtmann Carl Friedrich Bilfinger persönlich, er war damals die prägende Persönlichkeit in Nürtingen, nichts lief ohne ihn. Eng verbunden war er mit der Familie Hölderlin, als Freund von Friedrich Hölderlins Vater, Pate Hölderlins, Kriegsvogt der verwitweten Mutter Hölderlins und Geschäftspartner von Hölderlins Stiefvater Johann Christoph Gock, sondern er hatte auch 1780 für die Reichsgräfin Franziska von Hohenheim in Oberensinger das Hintere Schloss gekauft. Ab diesem Zeitpunkt fuhren dann Herzog Karl Eugen und Franziska (damals seine Lebensgefährtin und später seine Ehefrau) regelmäßig zu deren Mutter und Schwester, die das Oberensinger Schloss bewohnten. Franziska machte dort Familienbesuch und der Herzog begab sich zu einem der attraktiven Jagdgebiete um Nürtingen. Zurück ging es wieder gemeinsam – natürlich über die Teufelsbrücke, wo sie sich die Wege von Friedrich Hölderlin und der Herrschaft manchmal kreuzten. Hölderlin konnte damals nicht ahnen, welche Ehre er noch haben sollte. Er schrieb ihr 1786 ein Gedicht anlässlich eines Besuchs in Maulbronn.
„Gedicht
womit bei der höchstbeglückten Ankunft
Ihro herzoglichen Durchlaucht
der Frau Herzogin von Württemberg
Franziska
in dem Kloster Maulbronn
seine untertänigste und tiefste Devotion
bezeugen
und sich Höchstdero Durchlaucht zu höchster
Huld und Gnaden untertänigst empfehlen wollte.“

Im Jahr 2019 wurden auf dem Weg zur Teufelsbrücke Gedichtsteine mit einem Zitat aus Hölderlins 1803 in Nürtingen entstandenen Hymne „Patmos“ gesetzt: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Patmos 1803 (Auszug)

Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.
Im Finstern wohnen
Die Adler und furchtlos gehn
Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg
Auf leichtgebaueten Brüken.
Drum, da gehäuft sind rings
Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten
Nah wohnen, ermattend auf
Getrenntesten Bergen,
So gieb unschuldig Wasser,
O Fittige gieb uns, treuesten Sinns
Hinüberzugehn und wiederzukehren.

So sprach ich, da entführte
Mich schneller, denn ich vermuthet
Und weit, wohin ich nimmer
Zu kommen gedacht, ein Genius mich
Vom eigenen Hauß. Es dämmerten
Im Zwielicht, da ich gieng,
Der schattige Wald
Und die sehnsüchtigen Bäche
Der Heimath; nimmer kannt ich die Länder;
Doch bald, in frischem Glanze,
Geheimnißvoll
Im goldenen Rauche, blühte
Schnellaufgewachsen,
Mit Schritten der Sonne,
Mit tausend Gipfeln duftend,

Mir Asia auf, …                                             Friedrich Hölderlin, 1803

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