Hölderlin-Nürtingen

Projekt In Hölderlins Landschaft

Rundwanderweg seit 2011

In Hölderlins Landschaft

Die Entstehung und der Erfolg des Hölderlinwegs in Nürtingen
„So komm! daß wir das Offene schauen, daß ein Eigenes wir suchen, soweit es auch ist.“
Friedrich Hölderlin, Elegie „Brod und Wein“, Homburger Folioheft 1804, in Nürtingen entstanden.

 

Ausblick von der Schillerhöhe auf die Schwäbische Alb

 

„Die Kulturlandschaft, wie sie sich heute präsentiert, ist über Jahrhunderte vom Menschen genutzt und gestaltet worden. Die Spuren, die dabei in die Landschaft eingeschrieben wurden sind vielfältig. Das gilt für alle Gegenden der Welt. Nürtingens besonderes Merkmal ist es, einen Dichter beherbergt zu haben, der zu den Großen der Weltliteratur zählt und dessen Werke in viele Sprachen übersetzt sind: Friedrich Hölderlin. „Was bleibet aber, stiften die Dichter“. Dieser letzten und berühmten Zeile seines Gedichts Andenken wollen wir nachspüren.
Der Rundwanderweg „In Hölderlins Landschaft“ mit seinem Wechsel aus Höhenwegen mit Aussichtspunkten, aus Wald- und Wiesenwegen, unterstreicht die Schönheit und die Mannigfaltigkeit der Landschaft. Gedichte und Texte von Hölderlin, Mörike und Härtling, die in Nürtingen entstanden sind oder sich auf Stadt und Landschaft beziehen, begleiten Sie auf dem Rundwanderweg. Informationen über Geschichte, Geologie, Kunst und Kultur machen die Wanderung zu einem Erlebnis der besonderen Art und nicht nur für literarisch Interessierte attraktiv. Auf dem Rundweg finden Sie schöne Ruhepunkte, die zum Pausieren und Verzehren des mitgebrachten Vespers einladen.
Hölderlin war ein begeisterter Wanderer. Der Rundwanderweg „In Hölderlins Landschaft“ lädt dazu ein, den Nürtinger Spuren eines der bedeutendsten deutschen Lyriker, nachzuspüren. Die Wegstrecke ist rund 12 Kilometer lang und kann in etwa vier Stunden erwandert werden. Wer die Wanderung etwas abkürzen möchte, kann beim Pfarrhaus Oberensingen, Mühlgasse 1 (Parkplatz) in den Wanderweg einsteigen und die Wanderung nach zirka acht Kilometern dort beenden. Einen schönen Spaziergang zum Ulrichstein bietet ein Einstieg beim Rathaus Hardt, Ulrich-von-Huttenplatz 6.“
Mit dieser Pressemitteilung wurde die Broschüre zum Rundwanderweg von der Stadt Nürtingen der Öffentlichkeit angekündigt. Der Rundwanderweg wurde am Sonntag, 17. April 2011 um 11 Uhr, am Stadtmuseum, an einem strahlend schönen Tag, feierlich eröffnet. Zur ersten Wanderung auf der Dichter Spuren rund um Nürtingen waren dann 130 Personen dabei, im Alter von 10 bis 93 Jahren. Nach nur einem Jahr wurde bereits die zweite Auflage der Broschüre herausgegeben. Die Rückmeldungen der Wanderer waren durchwegs positiv, das grundsätzliche Konzept ist so gut angenommen worden, dass alle an der Planung Beteiligten sagen können: Es wurde Realität, was man sich bei der Eröffnung wünschte, denn dieser Weg wird viel begangen, auch abschnittsweise in kleineren Spaziergängen. Mit der Broschüre wurde angeregt, die wunderbare Landschaft dieser Gegend auch aus einem poetischen Blickwinkel zu sehen. Die Freude am Begehen und Entdecken des Rundwanderwegs haben dazu geführt, dass man mehr wissen will, über die Landschaft, die geschichtlichen Bezüge und die Dichter, die in Nürtingen lebten. Dies lässt sich auch an den Teilnehmerzahlen bei den angebotenen Führungen ablesen.
Für die Stadt Nürtingen ist er ein weiterer Meilenstein, dabei, den Dichter und seine Verbindung zu seiner Heimatstadt ins Bewusstsein zu bringen. Die Gegend um Nürtingen prägte Hölderlins Texte wie keine andere: die Flusslandschaft des Neckars, die Schwäbische Alb. Diese Landschaft begehen zu können, die Texte Hölderlins erlebbar zu machen, ist Nürtingens herausragendes Merkmal. Alle Beteiligten haben sich das Ziel auf die Fahnen geschrieben, Hölderlin mehr und mehr in der Stadt zu verorten. Mit dem Rundwanderweg einerseits und der Broschüre andererseits ist dies sehr gut gelungen. Es wurde kein einziger Weg neu erfunden und der Öffentlichkeit präsentiert, sondern man ist gemeinsam auf Spurensuche gegangen, hat Bestehendes aufgenommen, vielleicht auch neu bewertet, hat eine Fülle an Informationen gebündelt und alles zusammengefasst, was wichtig ist an diesem Rundwanderweg „In Hölderlins Landschaft“. Der Weg richtet sich an literarisch Interessierte, Wanderer, Touristen und Tagesausflügler. Der Weg ist eine schöne Erweiterung des touristischen Angebotes der Stadt, auch Einheimische bekommen die Möglichkeit, ihre Umgebung neu zu entdecken.

 

Blick von der Oberensinger Höhe zur Alb, Mörikes „blauer Mauer“

 

Hölderlin und Nürtingen
Friedrich Hölderlin hat nicht nur Kindheit und Jugend in Nürtingen verbracht, sondern kam immer wieder nach Nürtingen zurück, in den Haushalt seiner Mutter und Geschwister. In Nürtingen schrieb und überarbeitete er zahlreiche Werke. Hölderlin war Nürtinger Bürger, in Nürtingen besaß er Zeit seines Lebens das Bürgerrecht. Die Gegend um Nürtingen mit der Flusslandschaft des Neckars und der Schwäbischen Alb prägte Hölderlins Texte wie keine andere. Hölderlins lebensbestimmender Fluss war der Neckar.
Friedrich Hölderlin liebte seit seiner Jugend Spaziergänge und Wanderungen und wurde später zu dem Wanderer, der auch große Strecken zu Fuß ging. Häufig war er rund um seine Heimatstadt unterwegs, die Eindrücke, die er dabei in sich aufnahm, finden sich in vielen seiner Gedichte. Das berühmteste davon ist wohl „Der Winkel von Hardt“.
Hölderlin hat Nürtingen immer als seine Heimatstadt betrachtet, auch als er in Tübingen im Turm saß. Wir wollen das nun Schritt für Schritt in das Bewusstsein der Leute holen. In der Broschüre finden sich Anregungen für weitere Abstecher, zum Beispiel zu den Häusern, die mit Friedrich Hölderlin und den anderen Dichtern, die in Nürtingen lebten verbunden sind, Eduard Mörike, Peter Härtling, Klaus Harpprecht, Nicolas Born. Weitere Hinweise gibt es zu den Naturdenkmälern Föllbachschlucht und Teufelsklinge mit der historisch interessanten Teufelsbrücke, einer der ältesten Steinbrücken Württembergs. Der Rundwanderweg soll die Wanderer dazu animieren, sich vorzustellen, wie Hölderlin die Landschaft vor 200 Jahren gesehen hat, auch wenn sie stark verändert ist.

 

Das Naturdenkmal Föllbachschlucht im Waldschutzgebeit Beim Hohlenstein

 

Zur Streckenführung und Finanzierung
Den endgültigen Verlauf des Weges, der auch historisch begründbar sein sollte, festzulegen war nicht einfach. Einer alten Wegstrecke folgend hätte der Rundwanderweg beispielsweise über die nun vierspurige Stuttgarter Straße geführt, da diese jedoch für Wanderer nicht besonders attraktiv ist, wurde der Weg stattdessen entlang einer anderen historischen Wegeverbindung über den Galgenberg und den Bauernwald zum Ulrichstein, Hölderlins „Winkel von Hardt“, geführt. Auf dem Weg wird einiges geologisches Wissen vermittelt: Nicht nur die alten Steinbrüche bei Hardt und Oberensingen mit Rhät- und Stubensandstein, auch die Hangrutschungen durch Knollenmergel werden gezeigt.
So wurden bewusst sehr unterschiedliche Aspekte aufgegriffen: Literatur, Kunst, Geschichte, Heimatgeschichte, Naturkunde, Geologie, Erholung. Ziel eines historisch rückerinnernden Weges sollte es sein, die vielfältigen Bezüge zur Geschichte, zu Literatur, zur Kunst aufzuzeigen und erlebbar zu machen.
Der Rundwanderweg „In Hölderlins Landschaft“ mit seinem Wechsel aus Höhenwegen mit Aussichtspunkten, aus Wald- und Wiesenwegen, unterstreicht so die Schönheit und die Mannigfaltigkeit der Landschaft. Gedichte und Texte von Hölderlin, Mörike und Härtling, die in Nürtingen entstanden sind oder sich auf Stadt und Landschaft beziehen, sind in der Broschüre zu finden. Der Rundweg startet am Stadtmuseum Nürtingen und führt über die Schillerhöhe und den Bauernwald zum Ulrichstein. Er geht weiter zum Pfeiferbrunnen in Hardt, über die Oberensinger Höhe nach Oberensingen. Von dort zur Villa Rustica über den Galgenbergpark zurück ins Stadtmuseum. Abzweige in den Garten der Kunstakademie, zur Föllbachschlucht und zur Sammlung Domnick werden beschrieben.
Der Hölderlin-Wanderweg kommt mit nur wenigen Schildern an unübersichtlichen Kreuzungen aus. Die Schilder wurden wie die zum Ulrichstein gesponsert und der ebenfalls gesponserten Beschilderung des Ulrichsteins angepasst. Startpunkte und Streckenführung sind auf einer Karte markiert.

Vernetzung der Beteiligten
Mit dem Gemeinschaftsprojekt wird nicht nur ein Rundwanderweg auf Spuren der Dichter angeboten, sondern auch eine Broschüre vorgelegt, die einfach mehr ist, als nur ein Wanderführer. Der Weg und die ihn beschreibende Broschüre, die neben vielen Erläuterungen auch die passenden Gedichte und Texte nicht nur von Hölderlin, sondern auch von Eduard Mörike und Peter Härtling enthält, sind eine Kooperation des Vereins Hölderlin-Nürtingen, des Schwäbischen Heimatbundes, der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins, der Stadtverwaltung, namentlich Kulturamt, Tourismusförderung und Pressestelle, sowie des Stadtmuseums.
Die Finanzierung über den städtischen Haushalt und die kontinuierliche Betreuung durch das Büro für Tourismus im Rathaus in Nürtingen, die Beschilderung, Wegesicherung und Wegepflege durch den städtischen Bauhof, werden ergänzt durch ehrenamtlich Beteiligte der oben genannten Vereine. Die Planung und Erstellung der Wanderbroschüre erfolgte gemeinsam unter Federführung des Kulturamtes und der Pressestelle der Stadt Nürtingen. Auch die Neuauflage, die derzeit erstellt wird, bleibt eine Gemeinschaftsproduktion an deren Realisation wieder alle mitwirken.

Erfolg und Nachhaltigkeit
Neben der Präsentation auf der Tourismusmesse CMT im Januar jeden Jahres ist es wichtig für alle Beteiligten, dass die aktive Belebung des Rundwanderwegs gewährleistet werden kann. So werden bisher geführte Wanderungen und VHS Kurse regelmäßig angeboten. Eine weitere Aktion werden von Steinpaten gespendete Gedichtsteine sein, die im Lauf der Zeit am Rundwanderweg an ausgesuchten Stellen aufgestellt werden. Auf Hölderlins Lyrik aufmerksam machen sollen ausgewählte Textzeilen als Zitate am Wegrand aus dem Gedicht Rückkehr in die Heimath, das im Juni 1800 in Nürtingen entstanden und als eine wirkliche Huldigung an die Landschaft gelten kann.
Die Broschüre „In Hölderlins Landschaft – der Rundwanderweg Nürtingen–Hardt–Oberensingen–Nürtingen“ ist an den i-Punkten bei der Nürtinger Zeitung am Obertor, im Nürtinger Rathaus und am Neckartalradweg erhältlich. Sie kann auch im Internet unter www.nuertingen.de/6147.html heruntergeladen werden. Dort ist sie auch mit GPS-Daten erhältlich. Die schon im ersten Jahr des Bestehens angebotenen geführten Wanderungen waren durchwegs sehr gut besucht. 130 Personen wanderten am 17. April, dem Tag der Eröffnung auf den Spuren der Dichter.
Die zwei am 13. September 2011 zum Tag des offenen Denkmals angebotenen „Goldnen Spaziergänge“ rund um Hardt zum Ulrichstein und zur Teufelsbrücke wurden von 60 Personen besucht. Ein Betriebsausflug mit 120 Personen wurde wurde im selben Jahr ehrenamtlich begleitet. Für die positive Resonanz sprechen auch die vermehrten Anfragen nach geführten Wanderungen und nach literarischen Stadtführungen allgemein. Die Besucherzahlen des Stadtmuseums mit seiner literarischen Abteilung „Hölderlin und Nürtingen“ sind deutlich gestiegen, auch hier sind die vermehrten Anfragen von außerhalb ein deutliches Indiz für die große Außenwirkung der gemeinsamen Anstrengungen, die Dichter mit Bezug zu Nürtingen bekannter zu machen.
Die Innovation und der Erfolg liegen in dem Verbinden der Poesie mit der Landschaft. So wird nachvollziehbar und erlebbar, dass Sehnsucht, Träume, Hoffnung das Schaffen der Dichter wesentlich bestimmte, und so wird vor allem der Zugang zu Friedrich Hölderlin und seinem Werk erleichtert.

 

Download der Broschüre In Hölderlins Landschaft

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