Hölderlin-Nürtingen

Projekt Hölderlin-Ring 2012: Bernhard Hurm

Hölderlin-Ring 2012: Bernhard Hurm, Theater Lindenhof

Laudatio von Ingrid Dolde anlässlich der Verleihung des Hölderlin-Rings am 19.01.2012

 

Sehr verehrte Damen und Herren, lieber Bernhard Hurm,
einen schönen guten Abend und herzlich willkommen zu unserer Hölderlin-Ringverleihung. Meinen ersten Dank möchte ich der Hausherrin, Frau Wagner-Gnan aussprechen, die dem Hölderlin-Nürtingen e.V. ermöglicht, in diesen schönen und dem Augenblick auch sehr würdigen Räumen, der Hölderlinausstellung, diese Veranstaltung machen zu können. Danke auch an die Mitglieder des Fördervereins Stadtmuseum, die für den gemütlichen Rahmen sorgen. Danke auch an die Musiker des Hölderlin-Gymnasiums, die mit ihrem musikalischen Beitrag der heutigen Feier erst richtig den festlichen Rahmen geben.
Heute wird zum dritten Mal offiziell ein Hölderlin-Ring verliehen. Der Nürtinger Goldschmied Jürgen Gairing hat den Hölderlin-Ring gestaltet, er hat auch die Verleihung an verdiente Persönlichkeiten initiiert und spendet dafür den Hölderlin-Ring. Herr Gairing, dafür herzlichen Dank.
Wenn ich heute anlässlich der dritten Hölderlin-Ringverleihung nochmals die Gelegenheit aufgreife und die beiden bisher geehrten in meine Laudatio einschließe, so hat das auch damit zu tun, dass der diesjährige Preisträger die zwei sehr unterschiedlichen Begründungen, die bei den bisherigen Verleihungen ausschlaggebend waren, in sich vereinigt!
„Der Hölderlin-Nürtingen e.V. verleiht den Ring an Persönlichkeiten, die sich um die Person und das Werk Friedrich Hölderlins besonders verdient gemacht haben. Er soll an Personen verliehen werden, die die Erinnerung an Hölderlin wach halten, denen sein künstlerisches Erbe ein Anliegen und eine Herausforderung ist, und die mitwirken an der Rezeption seiner Werke.“ So die Begründung zur Ring-Verleihung.
Der Hölderlin-Ring ging 2010 an eine Initiative aus der Bevölkerung, die sich um den Erhalt des Hölderlinhauses verdient gemacht hat. Gemäß dem bekannten Zitat aus Patmos: „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ hat Barbara Leib-Weiner, die den Ring stellvertreten für ihre Mitstreiter erhielt, mit Beharrlichkeit und Geduld das Wissen um die historische Bedeutung des Hölderlinhauses öffentlich gemacht und so einen Gesinnungswandel eingeleitet.
Der Hölderlin-Ring ging 2011 an die Vertreterin einer Institution: Frau Angela Wagner-Gnan, die Leiterin des Stadtmuseums Nürtingen. Vor über 20 Jahren hat sie die literarische Abteilung Hölderlin der Pflegsohn zusammen mit der Arbeitsstelle für literarische Museen in Marbach aufgebaut, genauso lang führt sie einheimische und auswärtige Besucher an die Thematik heran. Und nun kann ich mich schon selber zitieren: „Bürgerinitiative, Wutbürger, so die neueste Wortschöpfung, das klingt nach Aufbegehren, sich für etwas ein setzen, auch gegen etwas kämpfen. Das ist für eine Gesellschaft immer notwendig und in einer Demokratie nicht weg zu denken. Eine Gesellschaft ist jedoch nicht denkbar ohne institutionalisierte Organisationen, feste Formen, die unserem Gemeinwesen Gestalt geben. Wie diese Gestalt geformt wird, mit welchen Inhalten sie gefüllt wird, kann auch individuell geprägt sein, doch ohne Institution würde einer Gesellschaft Wesentliches fehlen. Es sind unsere verlässlichen Strukturen, die uns allen zugutekommen können.“
Der diesjährige Preisträger Bernhard Hurm, Schauspieler und Intendant des Theaters Lindenhof in Melchingen auf der Alb vereinigt beides, steht für beide vielleicht manchmal zunächst unvereinbare Pole Initiative und Institution. Wenn Sie die Vita hören, wissen Sie was ich meine!
Bernhard Hurm Schauspieler, Intendant, Theatermacher, geboren 1956 in Tübingen; aufgewachsen in Hirrlingen mit fünf Geschwistern; Schulzeit in Hirrlingen und Rottenburg. Verteidiger, später Vorstopper in der Fußballjugend des SV Hirrlingen; Ministrant und Aktivist in der katholischen Jugendarbeit; Spaßmacher, Witzeerzähler, „Fallensteller schon sehr früh“ (Thomas Bernhard, Der Theatermacher) Abitur am Technischen Gymnasium Reutlingen; Zivildienst im Sonderschulkindergarten Reutlingen-Ohmenhausen; verheiratet mit der Schauspielerin Gina Maas. 5 Kinder. Erste Theaterschritte in „Klassenspiel oder Der abenteuerliche Alltag des Lehrlings Tom“ und „Viva Argentina“ mit seinem damaligen Sportlehrer Uwe Zellmer; Studium der Sozialpädagogik an der Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen. 1981 Mitbegründer des Theaters Lindenhof in Melchingen auf der Schwäbischen Alb; seither in Melchingen daheim, Älbler („zwecks em Überblick“), Theatermacher, Schauspieler, Regisseur, Theaterleiter. Seit 1993 Intendant des einzigen Regionaltheaters in Deutschland, bis 2001 zusammen mit Uwe Zellmer.
Wenn ich noch seine Lieblingsrollen so aufzählen darf, wie er sie selbst in seiner Vita nennt:
Lieblingsrollen
Hölderlin in „Hölderlin. Tübingen. Turm.“, (Hölderlin) 1986
Hölderlin in „… wenn mit dem Neckar herab. (Hölderlin) 1993
Hölderlin in Ein Abendspaziergang, (Hölderlin) 1995
Franz Woyzeck in „Woyzeck. Winter ´92“ von Georg Büchner
Karl Knaupp in „Der Entaklemmer“ von Thaddäus Troll nach „Der Geizige“ von Moliere; seit 1994 über 300-mal gespielt und immer noch im Repertoire
Eduard Mörike in „Mörike! Schelmenstück!“
Franz Schubert in „Melchinger Winterreise“ von Peter Härtling, drei Winter lang
Franz Moor in Friedrich Schillers „Die Räuber“
Dorfrichter Adam in Kleists „Der zerbrochne Krug“, seit Frühjahr 2003
Puntila in „Herr Puntila und sein Knecht Matti“, Volkstück von Bertolt Brecht, Premiere Dezember 2003
Regiearbeiten
„Polenweiher“, Volksstück von Thomas Strittmatter
„Nikodemus Frischlin -Ein unbehäb Maul“, Szenencollage
„Bauernsterben“ von Franz Xaver Kroetz
„Nacht oder Tag oder Jetzt“, Eine Hexengeschichte von der Schwäbischen Alb
„Sense“ von Werner Fritsch
Stücke, zusammen mit Uwe Zellmer
„Nacht oder Tag oder Jetzt“, Eine Hexengeschichte von der Schwäbischen Alb
„Hölderlin. Tübingen. Turm.“ – „…. wenn mit dem Neckar herab“. (Hölderlin), Ein Abendspaziergang
„Mörike! Schelmenstück!“
„Schiller, Klinsmann und mir“
Seit Oktober 1983 zusammen mit Uwe Zellmer unterwegs als Humorist und Entertainer in Sachen Schwabenkunde, Stammeseigenschaften: Kenner trinken Württemberger – Szenen und Geschichten von Thaddäus Troll. Mittlerweile 1021 Mal gespielt, im Land, auf schwäbischen und alemannischen Bühnen, und ab und an in Berlin, Hannover, Münster, und anderswo. Europas meistgespielter Theaterabend.
Bernhard Hurms Theaterheimat im Melchinger Lindenhof zeigt wie man Weltliteratur aufs Land und zu den Leuten bringt: Gegründet 1981 bieten die „Lindenhöfler“ ihrem Publikum seit Jahrzehnten Volkstheater im allerbesten Sinn“. Und Bernhard Hurm ist immer mitten drin! Du selbst hast Hölderlins Sprache als revolutionär bezeichnet, euer Zugang zum Theater hat Theatergeschichte geschrieben. Eure Bühne sind nicht den großen Metropolen, sondern die raue Alb, in der Provinz stehen eure Bretter, die die Welt bedeuten. Das war und ist heute noch revolutionär und noch immer jenseits des Mainstream, ihr seid gleichzeitig mit der Verlässlichkeit, mit der ihr seit drei Jahrzehnten Theater macht auch zu einer Institution geworden. Revolutionäre Initiative und verlässliche Institution, beides findet man auf der Alb in Melchingen, für beides steht Bernhard Hurm.
Und noch etwas zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schauspielerleben: Ich behaupte, und das wird keiner widerlegen können: Bernhard Hurm ist der einzige Schauspieler, der sein ganzes Schauspielerleben lang Hölderlin und Hölderlins Lyrik auf die Bühne und den Menschen nahe gebracht hat. Zuletzt auch für unseren Verein in Nürtingen 2007 bei unserem gemeinsamen Hölderlin-Hommage „Ein Zeichen sind wir“ und 2008 an unserem ersten Kulinarium.
Lieber Bernhard Hurm „wem sonst als dir“ sollten wir den Hölderlin-Ring verleihen um deine Verdienste um das Werk Hölderlins zu würdigen! Ich freue mich sehr, dich in den Reihen der Ringträger begrüßen zu können. Und nun darf ich Herrn Gairing bitten, die offizielle Ringverleihung zu zelebrieren.

Ringverleihung durch Jürgen Gairing

 

Sehr geehrter Bernhard Hurm,
den Hölderlin-Ring, – den haben Sie sich wirklich verdient, wer kann schon von sich sagen, dass er über Jahrzehnte Hölderlin zu den Menschen brachte? Inspirierend in Nürtingen war 2002 die faszinierende Theaterexkursion im Freien.
Hölderlin, Heimkunft
O Stimme der Stadt, der Mutter
Nürtinger TheaterSpaziergang
Nun, seinerzeit gab es den Hölderlin-Ring noch gar nicht, ohne den Theaterspaziergang hätte ihn es auch nie gegeben.
Damals veranstalteten das Kulturamt der Stadt Nürtingen und das Theater Lindenhof Melchingen den Nürtinger TheaterSpaziergang, eine Theaterinszenierung, meist unter freiem Himmel an unterschiedlichen Orten in Nürtingen.
Eine Besonderheit dieses einmaligen Projektes war das Einbinden von ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern als Laienschauspieler und Singenden, sowie Kindern und Jugendlichen aus Nürtinger Schulen, die alle gemeinsam mit den Profis vom Theater Lindenhof „auf der Bühne“ standen.
Und nicht nur die eben genannten, sondern auch Gewerbetreibende, die zur Einführung des Hölderlin-Rundganges vom damaligen Bürgermeister Guido Wolf aufgefordert wurden, sich im Rahmen ihrer Tätigkeit mit einem Beitrag zu beteiligen.
Das tat ich dann auch gerne und entwickelte den ersten Hölderlin-Ring.
Da es eben nichts gibt, was man nicht besser machen kann, entwarf ich für Hölderlin-Nürtingen e.V. einen eigenen Hölderlin-Ring, den nur der Verein verleihen kann. Dieser Hölderlin-Ring kann nicht gekauft werden – nicht für Geld und gute Worte.
„Was bleibet aber stiften die Dichter“ aus dem Gedicht Andenken ist in Hölderlins Handschrift eingraviert. Das Portrait Hölderlins von Franz Carl Hiemer von 1792 ist Grundlage der Darstellung Hölderlins, eingraviert in die Kopfplatte des Ringes aus 925´er Sterling-Silber.
Ich freue mich und es ist mir eine große Ehre, Ihnen, Herr Bernhard Hurm, diesen Ring im Namen des Vereins Hölderlin-Nürtingen e.V. überreichen zu dürfen. Möge er Sie allzeit begleiten und Ihnen vertraut werden und den Namen der Heimatstadt Hölderlins in die Welt hinaustragen.

 

Über den Verein Hölderlin-Nürtingen. Wir freuen uns auf neue Mitglieder.

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