Hölderlin-Nürtingen

Projekt Hölderlin-Ring 2011: Angela Wagner-Gnan

Hölderlin-Ring 2011: Angela Wagner-Gnan

Laudatio von Ingrid Dolde anlässlich der Verleihung des Hölderlin-Rings am 10.01.2011

 

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Frau Wagner-Gnan!
Einen schönen guten Abend und herzlich willkommen zu unserer Hölderlin-Ringverleihung. Meinen ersten Dank möchte ich der Hausherrin, Frau Wagner-Gnan aussprechen, die dem Hölderlin-Nürtingen e.V. ermöglicht, in diesen schönen und dem Augenblick auch sehr würdigen Räumen, der Hölderlinausstellung, diese Veranstaltung machen zu können. Danke auch an die Mitglieder des Fördervereins Stadtmuseum, die für den gemütlichen Rahmen sorgen. Danke auch an die Musiker des Hölderlin-Gymnasiums, die mit ihrem musikalischen Beitrag der heutigen Feier erst richtig den festlichen Rahmen geben.
Heute wird zum zweiten Mal offiziell ein Hölderlin-Ring verliehen. Der Nürtinger Goldschmied Jürgen Gairing hat den Hölderlin-Ring gestaltet, er hat auch die Verleihung an verdiente Persönlichkeiten initiiert und spendet dafür den Hölderlin-Ring. Herr Gairing, dafür herzlichen Dank.
„Der Hölderlin-Nürtingen e.V. verleiht den Ring an Persönlichkeiten, die sich um die Person und das Werk Friedrich Hölderlins besonders verdient gemacht haben. Er soll an Personen verliehen werden, die die Erinnerung an Hölderlin wach halten, denen sein künstlerisches Erbe ein Anliegen und eine Herausforderung ist, und die mitwirken an der Rezeption seiner Werke.“ So die Begründung zur Ring-Verleihung.
Der Hölderlin-Ring ging 2010 an eine Initiative aus der Bevölkerung, die sich um den Erhalt des Hölderlinhauses verdient gemacht hat. Gemäß dem bekannten Zitat aus Patmos: „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ hat Barbara Leib-Weiner, die den Ring stellvertreten für ihre Mitstreiter erhielt, mit Beharrlichkeit und Geduld das Wissen um die historische Bedeutung des Hölderlinhauses öffentlich gemacht und so einen Gesinnungswandel eingeleitet.
Bürgerinitiative, Wutbürger, so die neueste Wortschöpfung, das klingt nach Aufbegehren, sich für etwas ein setzen, auch gegen etwas kämpfen. Das ist für eine Gesellschaft immer notwendig und in einer Demokratie nicht wegzudenken. Eine Gesellschaft ist jedoch auch nicht denkbar ohne institutionalisierte Organisationen, feste Formen, die unserem Gemeinwesen Gestalt geben. Wie diese Gestalt geformt wird, mit welchen Inhalten sie gefüllt wird, kann auch individuell geprägt sein, doch ohne Institution würde einer Gesellschaft wesentliches fehlen. Es sind unsere verlässlichen Strukturen, die uns allen zugutekommen. Am Beispiel des Stadtmuseums hier in Nürtingen möchte ich diese These kurz erläutern. Bewahrung unserer Vergangenheit ist eine Aufgabe, die die Stadt Nürtingen auch an festen Orten, wie das Stadtmuseum verankert hat. Allen zugänglich und offen, und trotzdem muss eine dauerhafte Bemühung um das Lebendig halten der Geschichte den Ort interessant machen. Das gelingt nur mit einer festen, verlässlichen Struktur und auch einer finanziellen Basis, die diese Arbeit ermöglicht. Das Stadtmuseum ist ein erlebbares Gedächtnis der Geschichte im wahrsten Sinn des Wortes. Hier kommt, neben vielen anderen Vereinen und Institutionen, auch unser Hölderlin-Verein in den Genuss einer Struktur, die Arbeiten ermöglicht. Ohne das Vorhandene hätte auch nichts Zukunftsweisendes geschaffen werden können.
In diesem Jahr soll die Vertreterin einer Institution ausgezeichnet werden: Frau Angela Wagner-Gnan die Leiterin des Stadtmuseums Nürtingen. Seit über 20 Jahren gibt es die literarische Abteilung Hölderlin der Pflegsohn im Stadtmuseum, seit genauso vielen Jahren ist Frau Wagner-Gnan dafür zuständig und hat auch in mageren Zeiten, mit weniger Besuchern, diese für Nürtingen wichtige literarische Gedenkstätte betreut. Mit der Kooperation Hölderlin-Nürtingen e. V., Hölderlin-Gymnasium und Stadtmuseum, die im Jahr 2009 begann, haben wir gemeinsam mit der Aktion Schülern führen Schüler die Besucherzahl der Hölderlin-Abteilung deutlich erhöht. Auch die neu geschaffenen Ausstellungen im Kabinett über der Hölderlin-Abteilung sind ein Ergebnis der offenen Kooperation, die wir mit viel Fantasie und pragmatischen Umsetzungen auch in diesem Jahr mit dem bewährten Team und dem Max-Planck-Gymnasium fortsetzen werden.
Wir wollen mit der Verleihung des Hölderlin-Rings an Frau Wagner-Gnan, die kontinuierliche Arbeit über nun Jahrzehnte würdigen und uns auch dafür bedanken, dass mit Offenheit und Kooperation von ihr das Stadtmuseum für viele zum Lernort wird und so wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft übernimmt: Gedächtnis zu sein, Überliefertes zu bewahren, die Geschichte lebendig zu halten und Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen.
Zu ihrem Werdegang: Es hat sich der Lebenskreis von Frau Wagner-Gnan deutlich in der Region um Nürtingen bewegt, in Reutlingen geboren, in Neuffen zur Grundschule gegangen, Gymnasium in Nürtingen (MPG, Högy, Albert-Schäffle). Nach Auslandsaufenthalten zurück in Deutschlands Süden zum Studium nach Regensburg (Germanistik, Soziologie, Volkskunde). Nach dem Studium und einem Praktikum am Kreismuseum Walderbach/Landkreis Cham, wissenschaftlicher Mitarbeiterin am Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel und seit 1987 Leiterin des Stadtmuseums Nürtingen. Zur Museumsarbeit wird Frau Wagner-Gnan selbst etwas sagen.
Der Hölderlin-Ring trägt als Gravur in der originalen Handschrift Hölderlins die letzte Zeile des Gedichts Andenken: „Was bleibet aber, stiften die Dichter.“
Frau Wagner-Gnan, Sie haben sich um Nürtingen und Hölderlin verdient gemacht und erhalten dafür den Ring als Geschenk.

 

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