Hölderlin-Nürtingen

Projekt Hölderlin-Ring 2014: Christa Kožik/Herrmann Tschoche

Hölderlin-Ring 2014: Christa Kožik und Herrmann Zschoche

Laudatio von Ingrid Dolde anlässlich der Verleihung des Hölderlin-Rings am 23.01.2014

 

Liebe Frau Kožik, lieber Herr Zschoche, Herr Oberbürgermeister Heirich, liebe Ringträgerinnen, sehr verehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserer Hölderlin-Ringverleihung 2014.
Ganz besonders freue ich mich, dass Sie Frau Kožik und Sie Herr Zschoche den weiten Weg gemacht haben, um die Ehrung persönlich entgegen zu nehmen. Es ist zwar eine bescheidene Ehrung, aber für uns in Nürtingen immer ein ganz besonderer Anlass, an dem wir Menschen ehren können, die sich um das Werk Friedrich Hölderlins verdient gemacht haben.
Die Verleihung des Hölderlin-Rings hat Sie zu uns geführt, es ist jedoch nicht Ihre erste Reise in Hölderlins Heimat. Davon werden Sie uns sicherlich noch berichten.
Bevor ich zur Laudatio komme möchte ich mich noch bedanken: herzlichen Dank an:
Herrn Oberbürgermeister Heirich für das Grußwort.
Frau Wagner-Gnan, Hölderlin-Ring-Trägerin 2011 und Leiterin des Stadtmuseums, die dem Verein Hölderlin-Nürtingen ermöglicht, in diesen schönen und für den Anlass auch besonders würdigen Räumen, der Hölderlin-Abteilung, diese Veranstaltung machen zu können.
Die Mitglieder des Fördervereins Stadtmuseum, die für den kulinarischen Rahmen sorgen. Zum gemütlichen Ausklang anschließend an die Ring-Verleihung darf ich Sie schon jetzt einladen.
Herr Gairing. Heute wird zum fünften Mal der Hölderlin-Ring verliehen. Der Nürtinger Goldschmied Jürgen Gairing hat den Hölderlin-Ring gestaltet, er hat auch die Verleihung an verdiente Persönlichkeiten initiiert und spendet dafür den Hölderlin-Ring.
In unserer Begründung zur Ringverleihung heißt es: „Der Hölderlin-Nürtingen verleiht den Ring an Persönlichkeiten, die sich um die Person und das Werk Friedrich Hölderlins besonders verdient gemacht haben. Er soll an Personen verliehen werden, die die Erinnerung an Hölderlin wach halten, denen sein künstlerisches Erbe ein Anliegen und eine Herausforderung ist, und die mitwirken an der Rezeption seiner Werke.“
Der erste Hölderlin-Ring ging 2010 an Frau Barbara Leib-Weiner, für die Rettung des Hölderlinhauses.
Der Hölderlin-Ring ging 2011 an Frau Angela Wagner-Gnan, die Leiterin des Stadtmuseums Nürtingen.
Der Preisträger 2012 Bernhard Hurm, Schauspieler und Intendant des Theaters Lindenhof in Melchingen auf der Alb hat sein ganzes  Schauspielerleben lang Hölderlin und Hölderlins Lyrik auf die Bühne und den Menschen nahe gebracht hat.
2013 den Hölderlin-Ring Peter Härtling verleihen zu dürfen, war uns eine große Ehre, aber eigentlich überfällig. Er bringt mit seinem 1976 erschienenen Roman über Hölderlin ein breites Publikum an Hölderlins Leben und Werk heran.
Und nun zu unseren Hölderlin-Ring-Trägern 2014, die mit dem 1985 entstandenen Film Hälfte des Lebens ebenso wie Härtlings Roman ein breites Publikum für Hölderlins Leben und für seine Lyrik begeistern. Wir sind glücklich, dass Sie heute bei uns sind und diese bescheidene Ehrung annehmen.
Ich erlaube mir, aus Ihrem Leben ein paar wenige Eckdaten dem Publikum hervorzuheben.
Ich will diesen Part knapp halten, weil ich weiß, dass Sie uns sehr viel Interessantes und für uns vielleicht auch Unbekanntes zu erzählen haben.
Und dazu soll heute Raum bleiben.
Sie verzeihen mir, dass ich Ihr Leben und Wirken so komprimiere!
(Die Biografien, Filmografien und Listen der Veröffentlichungen liegen aus.)

Christa Kožik
Mitten in den Krieg hinein in Schlesien geboren, Vertreibung, Kindheit und Jugend in Thüringen.
Auf der Dorfschule bringt der Lehrer die Kinder mit Lyrik in Kontakt! Welch ein Geschenk! Hier gründet wohl Ihre Liebe zu Hölderlins Werk und das Interesse für sein Leben.
Lehre zur kartographischen Zeichnerin.
Assistentin im DEFA-Dokfilmstudio.
Studium der Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg.
Studium am Literaturinstitut in Leipzig.
Filmszenaristin bei der DEFA.
Bücher und Filme für Kinder sind das Hauptwerk der Schriftstellerin, Filmszenaristin und Hörbuchautorin.
In dem Filmszenarium zu „Hälfte des Lebens“ hat sie das Schicksal Hölderlins für Erwachsene bearbeitet, die Recherche dauerte einige Jahre und hat sie unter anderem auch nach Nürtingen geführt.
„Ein Schneemann für Afrika“, „Sieben Sommersprossen“ und „Hälfte des Lebens“ sind die bekanntesten DEFA-Filme für die Sie das Filmszenarium geschrieben haben.
Neben den Kinderbüchern, Hörbüchern und den Filmszenarien, haben Sie auch Gedichte und Geschichten veröffentlicht. Frau Kozik lebt als freie Autorin in Potsdam-Babelsberg, gegenüber den Filmstudios.

Herrmann Zschoche
Zu Beginn des 3. Reichs in Dresden geboren.
Während seiner Schulzeit Mitglied eines Schmalfilmzirkels.
Beginnt beim Fernsehen der DDR als Assistent und Kameramann bei der „Aktuellen Kamera“ zu arbeiten.
Anschließend Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam.
Als Regie-Assistent zum DEFA-Studio.
Seit 1961 ist er als Regisseur tätig und wird bis zum Ende der DEFA knapp 20 Filme inszenieren.
Herrmann Zschoche ist als DEFA-Regisseur bekannt für seine Kinder- und Jugendfilme sowie seine kritischen Gegenwartsfilme, mit denen er über die DDR hinaus Aufmerksamkeit erregt. Er gehört zu den produktivsten und erfolgreichsten Filmemachern in der DDR.
Karla (1965) wird der erste große Spielfilm von Herrmann Zschoche nach einer Vorlage von Ulrich Plenzdorf. „Karla“ wird allerdings nicht aufgeführt. Erst im Juni 1990 erlebt der Film gemeinsam mit anderen Verbotsfilmen seine Uraufführung.
„Sieben Sommersprossen“ (1978) ist der erfolgreichste Jugendfilm von Herrmann Zschoche.
Erstmals einen historischen Stoff verfilmt Herrmann Zschoche mit „Hälfte des Lebens“ (1985).
Nach dem Fall der Berliner Mauer und im vereinigten Deutschland hat es der Filmemacher wie viele seiner ostdeutschen Kollegen schwer. Er dreht vorwiegend Fernsehserien. „Drei Damen vom Grill“ jeweils eine Folge der Reihen „Tatort“ und „Kommissar Rex“. „Kurklinik Rosenau“ ist seine letzte Tätigkeit für den Film.
Nach 1997 Rückzug aus dem Filmgeschäft.
Herrmann Zschoche lebt in Storkow, schreibt und veröffentlicht Bücher und Texte vorwiegend über Caspar David Friedrich.
2002 erschien seine Autobiografie mit dem Titel: „Sieben Sommersprossen und andere Erinnerungen“.

„Hälfte des Lebens“
Der Film schildert zehn Jahre aus dem Leben des Dichteres Friedrich Hölderlin (Ulrich Mühe) und blickt auf dessen gescheiterte Liebe zu Susette Gontard (Jenny Gröllmann).
Der Tod seiner Geliebten stürzt den Dichter in tiefe Depressionen, von denen er sich nie wieder erholt.
Für Ulrich Mühe ist dieser Film der Beginn seiner großen Filmkarriere.
Bei einem breiten Publikum in der DDR und der BRD wird der Film ein großer Erfolg.
1986 Publikumspreis beim Nationalen Spielfilmfestival der DDR.
Der Film löste einen Verkaufsboom für Hölderlins Lyrik in der DDR aus!
Lassen Sie mich hier ein paar persönliche Anmerkungen machen.
Für mich ist „Hälfte des Lebens“ seit langem mein Lieblingsfilm.
Was ich immer besonderes bewundert habe, neben den hervorragenden Darstellern, sind die authentischen Dialoge. Wer Hölderlins Werk kennt, kann die Text zuordnen. Da unterscheidet sich der Film ganz besonders von anderen mit Stereotypen und Klischees überfrachteten Produktionen.
Da ist besonders gründlich recherchiert worden!
Der Film erzählt eine Liebesgeschichte, die tragisch endet und gleitet dennoch nicht in den Kitsch ab. Herr Zschoche inszeniert die Geschichte in wunderbaren Szenen und Bildern, romantisch, aber auch mit einem feinen Humor. (Szene in der Susette die Strümpfe auszieht, um die Füße in den Fluss zu tauchen und dabei Hölderlin die Stümpfe in die Hand drückt. Dieser wiederum wurstelt sie verdutzt zusammen. Oder die Szene mit Heinse in der Antikensammlung!)
Der Regisseur inszeniert in stimmungsvoller Atmosphäre eine Liebesgeschichte mit zwei hervorragenden Darstellern.
Ulrich Mühe macht überzeugend die ganze Zerrissenheit des Dichters deutlich, wird wegen seiner sehr präzisen Darstellung von Zerbrechlichkeit und Gefährdung gelobt.
Die Zeit der Entstehung des Films ist auch die einer weiteren Liebesgeschichte, die ein anderes tragisches Ende hat: Ulrich Mühe und Jenny Gröllmann verlieben sich bei den Dreharbeiten … Hier schreibt sich unsere gemeinsame deutsche Geschichte fort.
Auch nach 30 Jahren entfaltet der Film seine Wirkung beim Publikum wie wir selbst bei unseren letztjährigen Hölderlin-Filmtagen erlebt haben. „Hälfte des Lebens“ ist ein Film, der mit seiner hohen künstlerischen Qualität das Publikum auch heute noch überzeugt. Wir werden zumindest in Nürtingen dafür sorgen, dass der Film „Hälfte des Lebens“ auch weiterhin sein Publikum findet.
Liebe Frau Kozik, lieber Herr Zschoche: wem sonst als Ihnen sollten wir den Hölderlin-Ring 2014 verleihen.
Mit „Hälfte des Lebens“ haben Sie Maßstäbe in der filmischen Umsetzung eines historischen Stoffs gesetzt. Sie haben Friedrich Hölderlin und sein Werk einem breiten Publikum zugänglich gemacht. und für diese Ihre Verdienste um die Erinnerung an Friedrich Hölderlin dürfen wir Sie mit dem Hölderlin-Ring auszeichnen.
Ich freue mich sehr, Sie in den Reihen der Ringträger begrüßen zu können. Und nun darf ich Herrn Gairing bitten, die offizielle Ringverleihung zu zelebrieren.

 

 Ringträger 2014:Christa Kožik und Herrmann Zschoche
Die Träger des Hölderlin-Rings 2014: Christa Kožik und Herrmann Zschoche

 

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