Hölderlin-Nürtingen

Video: In Hölderlins Landschaft

Geschichte und Zukunft: die Realität

Video Kapitel 9: In Hölderlins Landschaft

Der Rundwanderweg führt über Höhenwege mit Aussichtspunkten, durch Wälder und auf Wiesenwegen in „Hölderlins Landschaft“. Hölderlin war ein geübter Wanderer. Er bewältigte 40 bis 50 Kilometer am Tag. In damaliger Zeit war es üblich, viele und lange Wegstrecken zu Fuß zurückzulegen. Doch Hölderlin wollte sich auch ganz bewusst durch das Gehen in der Natur einen Ausgleich zur geistigen Tätigkeit schaffen. Wir wollen Sie einladen, den Nürtinger Spuren des bedeutenden deutschen Lyrikers zu folgen.

Geschichte und Zukunft: die Realität: Heute gehört Friedrich Hölderlin zu den größten Lyrikern weltweit. Seine Gedichte sind in viele Sprachen übersetzt. Sein berühmteste Gedicht ist „Hälfte des Lebens“, das im Rückblick wie eine Vorausschau seines Lebens anmutet.

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm' ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin, Nürtingen, Januar 1804

Der von Friedrich Hölderlin selbst geplante Gedichtband ist nie erschienen. Man bescheinigte ihm Wahnsinn. Spätestens seit 1806 , galt er als unheilbar krank und man prognostizierte ihm nur noch wenige Lebensjahre. Als Pflegsohn beim Schreinermeister Zimmer in Tübingen lebt er jedoch noch 36 Jahre lang in seiner eigenen geistigen Welt. Die in dieser Zeit entstandenen Gedichte unterscheiden sich grundlegen von seinen großen Oden und Elegien und haben eine ganz eigene Prägung.

Höhere Menschheit

Den Menschen ist der Sinn ins Innere gegeben,
Daß sie als anerkannt das Beßre wählen,
Es gilt als Ziel, es ist das wahre Leben,
Von dem sich geistiger des Lebens Jahre zählen.
Scardanelli.

Datiert von Christoph Theodor Schwab: 21. Januar 1841

Als sein erster Gedichtband 1826 von Gustav Schwab und Ludwig Uhland herausgegeben wurde und man ihm erzählte, dass sie seine Gedichte sehr gut redigiert hätten, wurde er sehr zornig und rief: „Ich brauche keine Hilfe, ich kann selber redigieren, was ich gedichtet habe!“

Das fröhliche Leben

Wenn ich auf die Wiese komme,
Wenn ich auf dem Felde jetzt,
Bin ich noch der Zahme, Fromme,
Wie von Dornen unverletzt.
Mein Gewand in Winden wehet,
Wie der Geist mir lustig fragt,
Worin Inneres bestehet,
Bis Auflösung diesem tagt.

O vor diesem sanften Bilde,
Wo die grünen Bäume stehn,
Wie vor einer Schenke Schilde
Kann ich kaum vorübergehn.
Denn die Ruh an stillen Tagen
Dünkt entschieden trefflich mir,
Dieses mußt du gar nicht fragen,

Wenn ich soll antworten dir.
Aber zu dem schönen Bache
Such' ich einen Lustweg wohl,
Der, als wie in dem Gemache,
Schleicht durchs Ufer wild und hohl,
Wo der Steg darüber gehet,
Geht's den schönen Wald hinauf,
Wo der Wind den Steg umwehet,
Sieht das Auge fröhlich auf.

Droben auf des Hügels Gipfel
Sitz' ich manchen Nachmittag,
Wenn der Wind umsaust die Wipfel,
Bei des Turmes Glockenschlag,
Und Betrachtung gibt dem Herzen
Frieden, wie das Bild auch ist,
Und Beruhigung den Schmerzen,
Welche reimt Verstand und List. Holde Landschaft! wo die Straße
Mitten durch sehr eben geht,
Wo der Mond aufsteigt, der blasse,
Wenn der Abendwind entsteht,
Wo die Natur sehr einfältig,
Wo die Berg' erhaben stehn,
Geh ich heim zuletzt, haushältig,
Dort nach goldnem Wein zu sehn.

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