Was ist Heimat?

Heimatbund und Hölderlin-Nürtingen vergeben Heimatpreis

NÜRTINGEN. Heimat – für junge Menschen, die gerade dabei sind, die Welt zu erobern, mag dies ein angestaubter Begriff sein. Der Heimatpreis des Schwäbischen Heimatbundes und des Vereins Hölderlin-Nürtingen soll jedoch gerade für Schüler ein Anreiz sein, sich mit Heimat zu beschäftigen. Am Donnerstag wurde der Preis im Fritz-Ruoff-Saal der Kreissparkasse erstmals vergeben. Für die Vorsitzende des Vereins Hölderlin-Nürtingen, Ingrid Dolde, bekommt Heimat im Zeitalter der Globalisierung vielleicht gar einen neuen Stellenwert. „Junge Leute vernetzen ihr Wissen mit anderen und lernen dabei selbst etwas“, ist Doldes Beobachtung. Obwohl bei der Auslobung des Preises auf eine Themenvorgabe verzichtet wurde, war der Jury das Motiv „Integration“ wichtig. „Und die Arbeiten haben nicht nur zufällig alle mit Hölderlin zu tun“, sagte Ingrid Dolde schmunzelnd.

Von Sylvia Gierlichs

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Die Preisträger des Heimatpreises mit Ingrid Dolde vom Verein Hölderlin-Nürtingen (zweite Reihe rechts), Annette Adams (vorne rechts), Rainer Nolte (hinten links) und Uwe Alt (hinten rechts). sg

Die Preisverleihung übernahm passenderweise Rainer Nolte vom Ministerium für Integration. Wie verändert Zuwanderung die Heimat? Welche Heimat wird den Zuwanderern geboten? Was ist überhaupt Heimat? Ein Ort? Personen? Kultur? Da 25 Prozent der Baden-Württemberger Migrationshintergrund haben, sind dies für Nolte spannende Fragen. Statt Assimilation, also der völligen Übernahme der Kultur der neuen Heimat, tritt Nolte jedoch für die doppelte Heimat ein, durch die Vielfalt entstehe.

Drei zweite und zwei erste Preise vergab die Jury beim Nürtinger Heimatpreis. So erhielt Vera Hoffmann, Hölderlin-Gymnasium, einen zweiten Preis für ihre Arbeit aus der 13. Klasse über das Leben und Werk Friedrich Hölderlins. Ebenfalls einen zweiten Platz erhielt Anne Eisert, Hölderlin-Gymnasium, für ihre Arbeit in der 13. Klasse über die Nürtinger Kreuzkirche, die Teil des Hölderlinrundgangs „Schüler führen Schüler“ ist. Ein weiterer zweiter Platz ging an die Schreibwerkstatt des Hölderlin-Gymnasiums, die ebenjene Führung für Schüler Nürtinger Schulen macht und den teils sehr jungen Schülern die Gedichte des Nürtinger Lyrikers nahezubringen versucht.

Einer der beiden ersten Preise ging an Franziska Doll, die ein Porträt Hölderlins grafisch veränderte. Die Schülerin erklärte, wie ihr die Idee für diese kreative Arbeit kam. Mittlerweile gibt es Postkarten, Plakate und einen Schulplaner von dem von ihr veränderten Porträt. Egzona Hyseni erhielt ebenfalls einen ersten Preis. Die Jury hielt den Artikel, den die Schülerin für die Jugendzeitung Yaez über die Schülerführung auf Hölderlins Spuren verfasste, für äußerst gelungen.

Uwe Alt, Regionalbereichsleiter der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, freute sich, dass die Preisverleihung im Hause des Kreditinstituts stattfinden konnte. Er sieht die KSK und deren Stiftung dem öffentlichen Auftrag verpflichtet. Rund 500 Projekte würden jährlich mit zwei Millionen Euro gefördert, sagte Alt und nannte den Ehrenamtspreis als Beispiel.

NÜRTINGER ZEITUNG vom 1. Oktober 2011