Peter Härtling bekommt Hölderlin-Ring

Der Schriftsteller wird am Donnerstag vom Verein Hölderlin-Nürtingen ausgezeichnet – Er ist der vierte Ring-Träger

Von Andreas Warausch

Der Schriftsteller Peter Härtling befasste sich immer wieder mit Friedrich Hölderlin. Mit seinem Roman „Hölderlin“ brachte der heute 79-Jährige den Dichter einem breiten Publikum nahe. Das ist für den Verein Hölderlin-Nürtingen nun der Hauptgrund, um Härtling den vierten Hölderlin-Ring zu verleihen.

Verleihung des Hölderlin-Rings an den Schriftsteller Peter Härtling

NÜRTINGEN. Peter Härtlings Geschichte ist eng verwoben mit Nürtingen. Hier verschlug es den 1933 Geborenen nach dem Krieg her. Hier fand er die Frau seines Lebens. Und bei der Nürtinger Zeitung fasste er als Volontär Fuß im publizistischen Leben. Freilich führten auch den Dichter Friedrich Hölderlin die Lebenswege dereinst immer wieder in die Stadt am Neckar. Hier lebte seine Mutter. Viele seiner Gedichte erblickten hier das Licht der Welt.

Härtling widmete sein Schaffen immer wieder dem Dichter, wandelte auf dessen Spuren, auch in Nürtingen. Er schrieb Gedichte über Hölderlin, er war Präsident der Hölderlin-Gesellschaft. Und er schrieb 1976 einen Roman über den großen Lyriker, der den lapidaren Titel „Hölderlin“ trägt und mit dem er den Dichter einer großen und auch internationalen Öffentlichkeit erschloss, in dem er einen zutiefst menschlichen Zugang zu dem Genius freilegte und vorschlug.

Für Ingrid Dolde, die zusammen mit dem Event-Manager Udo Hoffmann das Vorstandsteam des Vereins Hölderlin-Nürtingen bildet, gehört der Roman mittlerweile gar zur Weltliteratur. Härtlings Verdienste um das Andenken und die Würdigung von Hölderlins Leben sind also unbestritten. So lag es für den Verein nahe, dem bei Frankfurt lebenden Schriftsteller, immerhin einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartsautoren, den vom Nürtinger Goldschmied Jürgen Gairing designten und gestifteten Hölderlin-Ring anzutragen. Schließlich gebührt der Ring ja Menschen, die sich eben um das Werk, die Person und die Erinnerung an Hölderlin verdient gemacht haben.

Härtling, so Ingrid Dolde, freue sich über die Auszeichnung (siehe auch untenstehendes Interview). Und für den Verein selbst sei es ebenfalls eine Ehre, solch einem bekannten und bedeutenden Mann den Ring an den Finger stecken zu dürfen. Eine Ehre, die sich der Verein hart erarbeitet hat. Ingrid Dolde: „Wir trauen uns beim vierten Mal, den Ring als etwas Etabliertes anzusehen.“ Eine Einschätzung, die nicht trügt. Die erste Preisträgerin war im Jahr 2010 die Nürtingerin Barbara Leib-Weiner, die sich um den Erhalt des Hölderlin-Hauses verdient gemacht hatte. Es folgte Angela Wagner-Gnan, die Leiterin des Stadtmuseums, das die literarische Hölderlin-Abteilung beherbergt. Im vergangenen Jahr dann ein erster Schritt aus Nürtingen hinaus. Der Ring wurde dem Melchinger Schauspieler und Hölderlin-Darsteller Bernhard Hurm verliehen. Nun also der nächste Schritt, der Ring für Peter Härtling, für jemand „ganz Großes“, wie Ingrid Dolde sagt. Dass der Schriftsteller natürlich starken Bezug zu Nürtingen hat, spielt eine Rolle, so Ingrid Dolde. Und auch dass Härtling in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern wird, war nicht ohne Belang, so die Vorsitzende.

Damit jedoch soll die Entwicklung des Rings, dessen Verleihung rein symbolischen Wert hat und nicht dotiert ist, nicht am Ende sein. „Wir werden noch genug Leute für den Ring finden“, sagt Udo Hoffmann, der nicht nur über ausgezeichnete Kontakte nach China verfügt. Dort lebte er über 20 Jahre. Und im Reich der Mitte übrigens hat Hölderlin einen hohen Stellenwert. Auch Härtlings Roman wurde schon in mehreren Auflagen dort verkauft. Und so richtet Hoffmann seinen Blick auch ins Ausland. Eine internationale Ringvergabe, das ist die Vision. Aber das, gibt Hoffmann zu, bedarf noch einer weiteren Entwicklung. 2020 wird Hölderlins 250. Geburtstag gefeiert. Das wäre ein schönes Ziel.

Nun aber erst einmal Peter Härtling. Dem wird am Donnerstag, 17. Januar, 19 Uhr, der Hölderlin-Ring in einer öffentlichen Feierstunde im Panoramasaal der Stadthalle K3N in Nürtingen an den Finger gesteckt – wieder in Zusammenarbeit mit der Stadt Nürtingen. Die Laudatio auf Härtling, der ja seit 2004 auch Ehrenbürger von Nürtingen ist, wird Oberbürgermeister Otmar Heirich halten. Und Bernhard Hurm, Härtlings Vorgänger als Ringträger und langjähriger Freund, wird Hölderlin- und Härtling-Gedichte rezitieren.

Auch für das weitere Programm bei der Ehrung setzt der Verein Hölderlin-Nürtingen wieder auf das bewährte Konzept der Kooperation mit anderen örtlichen Einrichtungen. Zum Beispiel mit dem Hölderlin-Gymnasium. So werden zur von der Nürtingen Musikschule betreuten musikalischen Umrahmung zwei Schülerinnen Vertonungen von Mörike-Gedichten vortragen. Damit haben sie übrigens bereits den Heimatpreis gewonnen, den der Verein zusammen mit weiteren Kooperationspartnern auslobt. Das belegt, wie ernst es dem Verein damit ist, Hölderlin auch der Jugend nahezubringen.

Die Verleihung des Hölderlin-Rings an Peter Härtling ist indes nur eine der starken Säulen des Veranstaltungsprogramms des Vereins Hölderlin-Nürtingen in diesem Jahr. Weiter geht es zum Beispiel mit dem Kulinarium, bei dem in Kooperation mit Slow Food dann am Samstag, 2. Februar, 19 Uhr, unter dem Motto „Wieder ein Glück ist erlebt“ im Panoramasaal der Stadthalle zur Musik von Franziska und Walter Schuster und den Rezitationen von Bernhard Hurm von Jörg Ebermann kulinarische Köstlichkeiten gereicht werden. Und freilich hat man sich auch für Hölderlins Geburtstag wieder etwas Besonderes überlegt: Am Mittwoch, 20. März, gibt es um 20 Uhr in der Kreuzkirche die Lesung „Heimkunft“ mit Bernhard Hurm und Uwe Zellmer.

NÜRTINGER ZEITUNG vom 12. Januar 2013