Hölderlin-Ring für Bernhard Hurm

Verleihung ist ein Höhepunkt des Veranstaltungsprogramms des Vereins Hölderlin-Nürtingen – Pavillonreihe soll weiterlaufen

Es ist wieder ein Programm jenseits vom kulturellen Mainstream, das der Verein Hölderlin-Nürtingen fürs nächste Jahr vorlegt. Im Januar erreicht es den ersten Höhepunkt: Dann wird der Schauspieler Bernhard Hurm den Hölderlin-Ring verliehen bekommen. Die Finanzierung der sommerlichen Reihe im Reiner-Pavillon ist indes noch nicht gesichert.

Von Andreas Warausch

NÜRTINGEN. Am Donnerstag, 19. Januar, schon wird sich Bernhard Hurm den von Goldschmied Jürgen Gairing gestifteten Hölderlin-Ring im Stadtmuseum überstreifen dürfen. Die Auszeichnung bekommen Persönlichkeiten, die sich um Werk, Person und Erinnerung an den Dichter Friedrich Hölderlin besonders verdient gemacht haben. Diese Kriterien erfüllt Bernhard Hurm, der auch Intendant des Melchinger Theaters Lindenhof ist, im Besonderen. Ingrid Dolde, die Vorsitzende des Vereins Hölderlin-Nürtingen, freut es besonders, den Ring in diesem Jahr an Hurm vergeben zu können.

Hurm hat mit seiner schauspielerischen Arbeit der literaturgeschichtlichen Person Hölderlin immer wieder ein menschliches Antlitz verliehen. Unter anderem auch bei der Hommage des Vereins an den Dichter unter dem Titel „Ein Zeichen sind wir“, aber auch bei den zwei Tübinger Hölderlin-Spaziergängen und bei vielen Lesungen mit seinen Partnern Uwe Zellmer und Peter Härtling. Bei der Verleihung im Stadtmuseum wird Hurm auch Hölderlin rezitieren, verriet Ingrid Dolde schon vorab.

Bereits bewährt hat sich das Kulinarium des Vereins. Am Samstag, 11. Februar, wird es unter dem aus Hölderlins „Hyperion“ entlehnten Motto „Verloren ins weite Blau“ im Panoramasaal der Stadthalle K3N kulinarische Genüsse und Musik der Neckharmoniker zu einem von Jürgen M. Brandtner vorgetragenen Mörike-Programm geben. Mit von der Partie ist auch der Verein Slow Food. Zu Kunst aus der Region gesellen sich dann also auch regionale Lebensmittelprodukte.

„Verloren ins weite Blau“ nennt der Verein in diesem Jahr seine ganze Veranstaltungsreihe, in deren Zuge am 20. März wieder der Geburtstag des Dichters gefeiert wird. Diesmal kommt die Musik vom Hoelder-Quartett, einer Formation um den Sänger Holly Loose. Texte des Dichters vermischen sich unter anderem mit Jazz und Pop.

Freilich will sich der Verein auch in diesem Jahr wieder ins Freie wagen. Zum Beispiel an den Reiner-Pavillon. In den letzten zwei Jahren hauchte man diesem mit jeweils vier Matinee-Veranstaltungen in der wärmeren Jahreszeit Leben ein. Das soll auch dieses Jahr passieren, auch wenn die Finanzierung der Reihe mit kostenlosen Konzerten durch die Stadt noch nicht gesichert ist. Kein Geld wird mehr aus dem Kulturfonds fließen. Doch Ingrid Dolde hofft noch, dass die Stadtmütter und -väter eine andere Art der Finanzierung der Erfolgsreihe beschließen werden. Dann sollen am 6. Mai die Neckharmoniker, am 10. Juni die Stadtkapelle und am 1. Juli die Neckar-Knurrhähne zu hören sein, ehe der Buena Vista Taeles Club in bewährter Art und Weise am 5. August für den Abschluss sorgen wird.

Auch in diesem Jahr setzt der Verein wieder auf viele Kooperationen

Raus geht’s im Programm des Vereins aber auch bei Führungen und Wanderungen. Schüler werden am 22. April wieder Kinder auf Hölderlins Spuren durch Nürtingen führen. Nur sechs Tage später geht es entlang eines Teils des Hölderlinwegs durch „Hölderlins Landschaft“. Ebenfalls im April oder spätestens im Mai soll unter dem Motto „Per Pedal zur Poesie“ ein literarischer Radweg eröffnet werden. Er reiht sich in den Reigen von Radwegen, den das Marbacher Literaturarchiv schon vorlegte.

Nicht nur hier, sondern bei vielen Anlässen arbeitet der Verein wieder in Kooperationen. Partner sind unter anderem das Hölderlin-Gymnasium, die Stadt Nürtingen, das Stadtmuseum, die Volkshochschule, der Schwäbische Heimatbund und der Albverein. Zudem wird es unter dem Titel „Keine Angst vor großen Dichtern“ am 27. Oktober eine Stadtführung für alle Semester geben, während unter demselben Motto am 30. Oktober Kinder zwischen fünf und acht Jahren zur Stadtführung eingeladen sind. Das Literaturseminar „Der Hohlenstein im Schwaben“ wiederum führt am 20. und 30. Juni literarisch und ganz real zum „Winkel von Hardt“, während es bei einer Exkursion am 14. Juli zum Kloster Denkendorf geht.

Drinnen hingegen, an einem noch nicht festgelegten Ort, wird es im September zu einer literarischen Begegnung mit Navid Kermani kommen. Er hat mit seiner Frankfurter Poetik-Vorlesung im Jahr 2010 ein ganz besonderes Licht auf Hölderlin gelenkt. Was der Nürtinger Dichter nun mit seinem Roman „Dein Name“ zu tun hat, wird er dem Nürtinger Publikum bei seiner Lesung eröffnen.

Ganz besondere Momente verspricht auch der türkisch-deutsche Hölderlin-Abend „Hälfte des Lebens“ am 20. Oktober im Stadtmuseum unter anderem mit der Sängerin Ninel Cam und dem Saxophonisten Martin Keller. Auch in diesem Jahr wird zudem wieder an den Schulen der Heimatpreis ausgeschrieben, auch der Videoclip-Wettbewerb wird wieder ausgelobt. Einige Vorträge runden das Programm des Vereins ab.

NÜRTINGER ZEITUNG vom 29. Dezember 2011

Verleihung des Hölderlin-Rings an Bernhard Hurm vom Theater Lindenhof

Bernhard Hurm 2007 bei der Hölderlin-Hommage „Ein Zeichen sind wir“. Foto: NZ-Archiv