„Hölderlin würde diesen Weg wandern“

Am Sonntag wird der Wanderweg „In Hölderlins Landschaft“ eingeweiht – 10,4 Kilometer Strecke mit vielen Sehenswürdigkeiten

Von Barbara Gosson

Hölderlin Wanderweg Karte

Literatur und Kunst, Geologie und atemberaubende Ausblicke – auf dem zehn Kilometer langen Rundweg „In Hölderlins Landschaft“ ist allerhand geboten. Für die Stadt ist er ein weiterer Meilenstein dabei, den Dichter und seine Verbindung zu Nürtingen ins Bewusstsein zu bringen. Am Sonntag, 17. April, um 11 Uhr wird der Weg am Stadtmuseum feierlich eingeweiht.

NÜRTINGEN. Friedrich Hölderlin war ein begeisterter Wanderer, der weite Strecken zurücklegte. Einmal wanderte er sogar bis nach Bordeaux. Häufig war er rund um seine Heimatstadt unterwegs, die Eindrücke, die er dabei in sich aufnahm, finden sich in vielen seiner Gedichte. Das berühmteste davon ist wohl „Der Winkel von Hardt“.

„Hölderlin ist ein international bekannter Dichter, doch er ist nicht leicht zu lesen. Wenn er in der Landschaft verortet wird, öffnet sich ein ganz neuer Zugang zu seinem Werk“, nennt Kulturreferentin Susanne Ackermann einen Grund, den Weg anzulegen. Nürtingen als Hölderlins Heimatstadt sei ein Begriff aus der Literaturwissenschaft, somit sei die Wanderung eine konsequente Fortsetzung dessen, was mit dem Hölderlin-Spaziergang mit dem Theater Lindenhof begonnen hat.

Der Weg und die ihn beschreibende Broschüre, die neben vielen Erläuterungen auch die passenden Gedichte und Texte nicht nur von Hölderlin, sondern auch von Eduard Mörike und Peter Härtling enthält, sind ein Gemeinschaftswerk des Vereins Hölderlin-Nürtingen, des Schwäbischen Heimatbundes, der Ortsgruppe des Albvereins, der Stadtverwaltung, namentlich Kulturamt, Tourismusförderung und Pressestelle, sowie des Stadtmuseums.

„Hölderlin hat Nürtingen immer als seine Heimatstadt betrachtet, auch als er in Tübingen im Turm saß. Wir wollen das nun Schritt für Schritt in das Bewusstsein der Leute holen“, so Oberbürgermeister Otmar Heirich bei der Vorstellung der Broschüre. Der Weg sei eine schöne Erweiterung des touristischen Angebotes der Stadt, auch Einheimische bekommen die Möglichkeit, ihre Umgebung neu zu entdecken. „Hölderlin würde diesen Weg wandern“, ist der OB sicher.

In der Broschüre finden sich Anregungen für weitere Abstecher, zum Beispiel zu den Häusern, die mit Hölderlin verbunden sind, zum Naturdenkmal Föllbach oder zur Teufelsbrücke. „Wir wollen die Wanderer dazu animieren, sich vorzustellen, wie Hölderlin die Landschaft vor 200 Jahren gesehen hat, auch wenn sie stark verändert ist. Das ist ein Appell, die Kultur nicht zu vergessen“, so Ingrid Dolde, Vorsitzende des Vereins Hölderlin-Nürtingen.

Den endgültigen Verlauf des Weges festzulegen sei nicht einfach gewesen. Die historische Strecke hätte beispielsweise über die Stuttgarter Straße geführt, da diese jedoch für Wanderer nicht besonders attraktiv ist, wurde der Weg stattdessen über den Galgenberg und den Bauernwald zum Ulrichstein, dem „Winkel von Hardt“, geführt.

Zwei alte Oberensinger aus einer Steinmetz-Familie, die Brüder Armin und Otto Früh, waren eine unerschöpfliche Quelle zur Geschichte der Steinbrüche bei Oberensingen. „Auf dem Weg wird einiges geologisches Wissen vermittelt“, sagt Dolde. Nicht nur die alten Steinbrüche mit Rhät- und Stubensandstein, auch die Hangrutschungen durch Knollenmergel werden gezeigt. Dolde möchte die Steinbrüche noch besser erschließen und weitere Einblicke in die Erdgeschichte ermöglichen.

Der Ulrichstein sei früher viel imposanter gewesen, berichtet Horst Ansel, der Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbundes. Doch die Wolfschlüger hätten früher das Recht gehabt, dort Steine zu hauen. „Wenn ihnen das nicht 1847 von der Regierung untersagt worden wäre, hätten wir heute gar keinen Ulrichstein.“

Die Wegsicherung verschlang einen Großteil der etwa 6000 Euro, die die Erstellung des Wanderweges gekostet hat. Die Gelder musste das Kulturamt aus seinem Etat nehmen, berichtet Susanne Ackermann. Das Geld kam zusammen durch den Verkauf der CD „Härtling liest seinen Hölderlin“, die über das Kulturamt vertrieben wurde.

Der Ulrichstein ist seit dem vergangenen Jahr ausgeschildert, der Hölderlin-Wanderweg kommt mit nur wenigen Schildern an unübersichtlichen Kreuzungen aus. Die Schilder wurden wie die zum Ulrichstein gesponsert, federführend war dabei Erhard Baier vom Hardter Ortschaftsrat.

Tourismusförderin Christina Seifert berichtet, dass auf der Tourismusmesse CMT das Interesse an solchen thematischen Wanderwegen groß gewesen sei. Für die Broschüre zum Hölderlin-Rundwanderweg gebe es bereits viele Vorbestellungen.

Am Sonntag ist das Stadtmuseum Start und Ziel der Wanderung. Um 11 Uhr gibt es eine kleine Feier, ab 12 Uhr kann man die etwa vier Stunden dauernde Wanderung geführt erleben. „Wer gewandert ist, bekommt freien Eintritt ins Stadtmuseum“, verspricht dessen Leiterin Angela Wagner-Gnan.

Die Broschüre „In Hölderlins Landschaft – der Rundwanderweg Nürtingen–Hardt–Oberensingen–Nürtingen“

ist ab sofort an den i-Punkten bei der Nürtinger Zeitung am Obertor, im Nürtinger Rathaus und am Neckartalradweg erhältlich. Sie kann direkt hier heruntergeladen werden:
Wanderweg-Broschüre Wanderweg-Broschüre oder auf der Internetseite der Sadt Nürtingen (mit GPS-Daten)

Hölderlin Rundwanderweg Nürtingen