Hölderlins liebliche Wiesen und Uferweiden reichen von Nürtingen bis ins chinesische Nanjing

Die Poesie aus der Versenkung zu holen ist das Ziel eines multimedialen Hölderlinabends gewesen, zu dem Nürtinger Künstler, Musiker, Schauspieler des Theaters Lindenhof sowie Schüler des Hölderlingymnasiums und der Nürtinger Waldorfschule unter dem Motto "poetisch, sinnlich, zeitlos" geladen hatten.

Ein Zeichen sind wir

Dass es dem Ensemble unter der Regie von Dietlinde Ellsässer für rund zwei Stunden gelungen ist, den großen Saal der Stadthalle K3N mit zauberhafter Lyrik zu füllen, lag einerseits an den darstellerischen Leistungen der Akteure, zum anderen an der Vertonung der Gedichte durch Susanne Hinkelbein. Unterstützt von den Musikern und Sängern gelangten Verse wie "Der Neckar" ("Zu euch, ihr Inseln! Bringt mich vielleicht, zu euch mein Schutzgott einst; doch weicht mir aus treuem Sinn auch da mein Neckar nicht mit seinen lieblichen Wiesen und Uferweiden") besonders zur Entfaltung.

Das Theater Lindenhof will laut Dietlinde Ellsässer mit dem Projekt in einer von Handy- Kurznachrichten und E-Mails geprägten Zeit nicht nur die Poesie wiederbeleben, sondern auch an den Dichter Hölderlin heranführen, der aktueller sei denn je.

"Ich erlebe hinter den Geschichten ganz stark einen Menschen, der sucht, der immer ankommen will, der aber immer unterwegs ist", sagt Dietlinde Ellsässer.

Die von Ingrid Dolde von der Waldorfschule in Nürtingen maßgeblich organisierte Produktion mit Bernhard Hurm (Foto) als Friedrich Hölderlin soll im Oktober bei den Deutschlandwochen in China gemeinsam mit chinesischen Partnern in Nanjing aufgeführt werden.

STUTTGARTER ZEITUNG vom 30. März 2007