Botschafter der Kultur und der Bildung

Mitwirkende eines Nürtinger Hölderlin-Projekts und Dozenten der HfWU reisen im Oktober nach Nanjing

NÜRTINGEN. Die Sieben-Millionen-Stadt Nanjing, nördlich von Shanghai am Jangtse gelegen, bekommt im Oktober gleich mehrfach Besuch aus Nürtingen. Zum einen soll im Rahmen der Deutschland-Kampagne "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung" die Hölderlin-Hommage "Ein Zeichen sind wir" einen Brückenschlag von der deutschen zur chinesischen Kultur ermöglichen (wir berichteten), zum anderen tragen dort Dozenten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) zum wissenschaftlichen Gedankenaustausch bei.

Von Volker Haussmann

Pressekonferenz

Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler und Staatspräsident Hu Jintao steht die Kampagne "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung". Deutschland will sich dabei in verschiedenen Projekten, angelegt auf mehrere Jahre, als modernes Land der Ideen präsentieren. Bundeskanzlerin Merkel hat bei ihrem Besuch in Peking am Dienstag die "Deutschlandwochen" eröffnet. Diese sollen den deutsch - chinesischen Dialog und das gegenseitige Verständnis vertiefen. Beteiligt sind Akteure aus Wirtschaft, Handel, Kultur und Bildung.

Sechs Dozenten der HfWU werden Ende Oktober am Symposium "Städte in Bewegung", das an der Nanjing Southeast University stattfindet, teilnehmen und dort Fachvorträge halten. Seit Sommer dieses Jahres ist diese Universität eine Partnerhochschule der Nürtinger HfWU. Für den am heutigen Freitag in den Ruhestand gehenden Rektor Klaus Fischer war es deshalb "wichtig, dass unsere Hochschule bei den Deutschlandwochen mit dabei ist". Er verspricht sich davon "einen guten Einstand in Nanjing".

Unterdessen laufen die Vorbereitungen für die Aufführung der Hölderlin-Hommage "Ein Zeichen sind wir", mit der am 19. Oktober in Nanjing die "Deutschlandpromenade" eröffnet wird, auf Hochtouren. Zusammen mit einem Orchester und einem Chor der Universität Nanjing - die mit der Nanjing Southeast University nichts zu tun hat - werden die Sängerin Jeschi Paul und der Saxophonist Martin Keller, die mit Projektleiterin Ingrid Dolde, der musikalischen Leiterin Susanne Hinkelbein, dem Fotografen Thomas Stephan und dem Tübinger Hölderlin-Experten und -übersetzer Zhengxiang Gu am 12. Oktober anreisen, ins Chinesische übersetzte Hölderlin-Vertonungen, unter anderem von Brahms, Eisler und Hinkelbein, aufführen. Eigens für Nanjing hat Hinkelbein das Hölderlin-Gedicht "Die Liebe" vertont. Untermalt wird das Konzert von auf eine Riesenleinwand projizierten Landschaftsaufnahmen, die Thomas Stephan hier aufgenommen hat.

Wenn sie an den 19. Oktober denkt, habe sie "etwas Fracksausen", gesteht Projektleiterin Ingrid Dolde. Zwar wurden dem Chor in Nanjing dieser Tage die Noten für die gemeinsam zu singenden Lieder vorgelegt, für Dolde steht allerdings fest: "Wir müssen mit dem Chor noch sehr intensiv arbeiten."

Die Finanzierung des Projekts gestaltet sich schwierig. "Von offizieller Seite bekommen wir kein Geld", bedauert Ingrid Dolde die ablehnende Haltung der Landesregierung. Das Hölderlin-Projekt werde dort als "Privatangelegenheit" bewertet. Unterstützt wird das Vorhaben bislang von der Baden-Württembergischen China-Gesellschaft, dem Goethe-Institut und der Nürtinger Zeitung.

NÜRTINGER ZEITUNG vom 31. August 2007