Hölderlin-Nürtingen

Presse: Hölderlins 246. Geburtstag

Lyrik beschleunigt den Herzschlag

NÜRTINGER ZEITUNG, 26.03.2016 | Von Madeleine Kraus und Annette Adams

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Hölderlins 246. Geburtstag

NÜRTINGEN. Da passt das Jahresmotto des Vereins Hölderlin-Nürtingen sogar doppelt: Hölderlin wurde 246 – das ist viel vergangene Zeit, und gleichzeitig der Beweis, dass es Zeitlosigkeit gibt, denn Hölderlins Worte klingen immer noch stark und lebendig.

Am Sonntag wurde in der Kreuzkirche der 246. Geburtstag des Nürtinger Dichters gefeiert. Organisiert wurde das Geburtstagsfest vom Verein Hölderlin-Nürtingen als ein Dreiklang aus Poesie, Wissenschaft und Musik.

Der Abend begann mit Musik, stimmungsvoll präsentiert vom Duo Land Über. Benni Gerlach am Cello und Karl Helbig am Saxophon schufen mit ihrem Jazz-Pop einen Klangteppich von sphärischer Schönheit. Dazu passten die Texte, die Schülerinnen und Schüler der Schreibwerkstatt des Hölderlin-Gymnasiums vortrugen, ganz genau. Zuerst präsentierten sie ausdrucksstark und einfühlsam dem Geburtstagskind zu Ehren Hölderlin-Lyrik, später traten sie mit Texten auf, die das diesjährige Vereinsmotto „Zeit und Vergänglichkeit“ zum Thema hatten. Dabei spannten sie den Bogen von Shakespeare über Albert Schweitzer und den Warmbronner Dichter-Bauern Christian Wagner bis zu Michael Endes berühmtem Zeit-Roman „Momo“.

Den wissenschaftlichen Part übernahm Professor Dr. Winfried Menninghaus, Direktor am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt. Sein Vortrag war zweigeteilt: Zuerst erklärte er an Hölderlins wohl bedeutendstem, in Nürtingen entstandenen Gedicht „Hälfte des Lebens“, wie der Dichter gegensätzliche Einflüsse griechischer Poesietradition umsetzte. Schon in der Nürtinger Lateinschule mit Pindar vertraut gemacht, war Hölderlin der wichtigste Pindar-Übersetzer ins Deutsche; seine Lyrik weist den hymnischen pindarischen Ton auf – aber ebenso auch den weicheren Ton der Dichterin Sappho.

Der zweite Part seiner Präsentation hatte dann ein ganz anderes Thema: Das Institut für empirische Ästhetik erforscht die messbaren körperlichen Veränderungen, die ein Mensch erfährt, wenn er Lyrik liest oder hört. Ebenfalls am Beispiel einer Hölderlin-Ode erklärte Professor Menninghaus, wie der Herzschlag steigt, die Leitfähigkeit der Haut zunimmt, der Mensch also schwitzt, das Gehirn vermehrt zu arbeiten beginnt und Gänsehaut entsteht. Gedichte haben also eine nachweisbare Wirkung auf den menschlichen Organismus.

Das kleine, aber feine Publikum – sogar aus Bad Homburg waren Gäste gekommen – hatte damit interessantesten Diskussionsstoff in der Pause, über einem Glas Sekt oder Mineralwasser. Der letzte Teil des Abends gehörte dann ganz der Musik, Land Über präsentierte neue Stücke zum Thema Großstadt, mit deren Klangstärke und Poesie die Zuhörer in den milden Frühlingsabend entlassen wurden.

Über den Verein Hölderlin-Nürtingen. Wir freuen uns auf neue Mitglieder und über Sponsoren für unser Kulturprogramm. Unseren Sponsoren herzlichen Dank – sie machen unsere Beiträge zur Kultur möglich:

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