Hölderlin-Nürtingen

Presse: Hölderlinring-Verleihung

„Sie brachten Hölderlin zu den Menschen“

NÜRTINGER ZEITUNG, 19. Januar 2013 | Von Andreas Warausch

Stimmungsvolle Feierstunde: Der Schriftsteller Peter Härtling ist nun der vierte Träger des Hölderlin-Rings. Peter Härtling hat am Donnerstag den Hölderlin-Ring des Vereins Hölderlin-Nürtingen verliehen bekommen. Die Laudatio hielt Oberbürgermeister Otmar Heirich, für die Umrahmung eines wunderbaren Abends mit den beiden großen Nürtinger Dichterfiguren Hölderlin und Härtling im Mittelpunkt sorgte unter anderem der Schauspieler und Ring-Träger Bernhard Hurm.

Hölderlinring-Träger Peter Härtling

NÜRTINGEN. Es war keine gute Fahrt gewesen, bekannte Härtlings Frau Mechthild. Durch den Schnee hatte sie ihren Mann von Frankfurt mutig schließlich nach Nürtingen chauffiert. Chapeau. Doch für die Mühen der winterlichen Anreise wurden beide im Panoramasaal der Stadthalle K3N gleich belohnt. Mit Musik von Mozart, jenem Genius, den der Schriftsteller Härtling schon sein Buch „Das ausgestellte Kind“ gewidmet hatte. Zu Gehör gebracht wurde Mozarts Divertimento No. 1 auf virtuose Art und Weise von Mathis Krause (Oboe), André Haspel (Klarinette) und David Eisele (Fagott), die ein Bläserensemble der Nürtinger Musikschule unter der Leitung von Thomas Löffler bildeten.

Mozart zu Härtling, das passt. Aber es war natürlich ein anderer Künstlerroman, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Peter Härtling nun als Vierter in den Genuss der Ehrung mit dem Hölderlin-Ring kam. „Hölderlin“ heißt dieser, 1976 ist er erschienen, und der Schriftsteller Peter Härtling ermöglichte damit vielen Lesern einen zuvor nicht geahnten, zutiefst menschlichen und von akademischem Pathos befreiten Zugang zu Hölderlin. „Sie brachten über Jahrzehnte Hölderlin zu den Menschen“, würdigte Jürgen Gairing Härtlings Leistung. Der Goldschmied ist Designer und Stifter des Hölderlin-Rings.

Bevor auch Oberbürgermeister Otmar Heirich in seiner Laudatio Härtling für die Bedeutung seines Hölderlin-Romans lobte, gab es erst einmal verbale Blumen für die Ringverleiher selbst. Heirich lobte den Verein um Ingrid Dolde, die den von ihr stimmig geplanten Abend souverän moderierte, für seine Leidenschaft und guten Ideen. Zu letzteren zähle die Ringverleihung, die eine „runde Sache“ sei. Mit ihr würden Menschen gewürdigt, die sich um Werk und Leben des Dichters Friedrich Hölderlin und um das Andenken an ihn verdient gemacht hätten.

Und genau das habe Härtling getan. Heirich: „Härtlings Leben ist eng mit Nürtingen und Hölderlin verbunden.“ Nürtingen sei Härtling, der nach dem Krieg hier seine Jugendjahre verbrachte, eine Heimat geworden, eine Heimat, in der er nicht nur zu Hölderlin fand, sondern auch auf die Liebe seines Lebens traf. Zudem habe Härtling bei der Nürtinger Zeitung 1952 sein Volontariat absolviert und den Maler und Bildhauer Fritz Ruoff, dessen Frau Hildegard am Donnerstag im Publikum weilte, als Freund gewonnen. Die Ring-Ehrung für den Zeit seines Lebens mit der Stadt verbundenen Nürtinger Ehrenbürger sei ein würdiger Auftakt zum Härtling-Jahr 2013, das die Stadt anlässlich des 80. Geburtstags von Härtling im November mit vielen Veranstaltungen feiern werde.

Heirich ging in seiner Laudatio auch auf die Schelte ein, die Härtling für seinen Hölderlin-Roman von einigen Literaturkritikern bekommen hat. Peter Hamm vom „Spiegel“ sei da hervorzuheben. Über den aber, so Heirich, spreche heute keiner mehr. Heute lache man vielmehr über die Kritik, die sich daran entzündet habe, dass Härtling Hölderlin schwäbisch sprechend „zu volkstümlich“ und „zu verständlich“ dargestellt habe.

Auch Peter Härtling ging in seiner Dankesrede anschließend auf die Kritik an seinem schwäbischen Hölderlin ein. Zunächst aber lobte er Schauspieler und Intendant Bernhard Hurm vom Theater Lindenhof in Melchingen. Hurm hatte den Hölderlin-Ring im letzten Jahr bekommen, weil er Hölderlin durch seine Darstellungen und Rezitationen eine Stimme verleiht. „Er macht ihn mir laut“, sagte Härtling.

Hurm unterstrich anschließend bei seiner mitreißenden Rezitation einiger Hölderlin-Gedichte, warum diese Einschätzung Härtlings durch und durch berechtigt ist. Da beschwört er zum Beispiel den verzweifelt Liebenden Dichter mit dem Gedicht „Die Liebe“ förmlich in den Panoramasaal. Er zeigt den Wandernden in „Rückkehr in die Heimat“ – und beschenkt Härtling und seine Gäste auch mit dem „Winkel von Hardt“.

Beschenkt aber wurde der zu Ehrende auch von jungen Menschen. So trugen Angela Schneider, Sophie Stöcker, Laura Schäffer, Sarah Akinci und Franziska Doll von der von Annette Adams geleiteten Schreibwerkstatt des Hölderlin-Gymnasiums Gedichte von Peter Härtling mit Bezug zu Nürtingen und Hölderlin vor.

Und zum krönenden Abschluss sangen Janna Hufnagel und Josefine Schmidt vom Kammermusik-Ensemble des Hölderlin-Gymnasiums unter der Begleitung von Florian Eisentraut am Piano Vertonungen des Dichter-Dreigestirns Hölderlin, Mörike und Härtling.

Eben von letztem, dem Geehrten, stammte das Schlusslied. „Glück“ heißt das Gedicht, das Susanne Hinkelbein schon zu Härtlings 70. Geburtstag vertont hatte – und es schwebte wie ein Motto den ganzen Abend schon auf einem Banner über Härtling, der an diesem wunderschönen Abend sicherlich ein Stück eben jenes Glücks empfand.

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