Hölderlin-Nürtingen

Presse: Hölderlinring-Verleihung

Die Sprache zum Klingen bringen

NÜRTINGER ZEITUNG vom 21. Januar 2012 | Von Heinz Böhler

Lindenhof-Theater-Intendant Bernhard Hurm wurde mit dem Hölderlin-Ring geehrt

Hölderlinring-Träger Bernhard Hurm

Foto: Manu

NÜRTINGEN. Als am Donnerstagabend im Raum der Hölderlin-Sammlung des Stadtmuseums zum dritten Mal der nach dem in Nürtingen aufgewachsenen Dichter Friedrich Hölderlin benannte Ring verliehen wurde, war man sich, wie schon vorher die Jury, einig, dass es mit dem Intendanten des Lindenhoftheaters in Melchingen, Bernhard Hurm, keinen Würdigeren hätte treffen können. Nach der Begrüßung durch Museumsleiterin Angela Wagner-Gnan und der von der Vorsitzenden des Vereins Hölderlin-Nürtingen, Ingrid Dolde, gehaltenen Laudatio freute sich der Nürtinger Goldschmied, Stadtrat und Schöpfer des zu verleihenden Schmuckstückes, Jürgen Gairing, die eigentliche Zeremonie der Verleihung vornehmen zu können.

„Wem sonst als dir“ – wie Friedrich Hölderlin den 1799 erschienenen zweiten Band seines Briefromans „Hyperion“ niemand anderem als seiner Susette Gontard glaubte widmen zu können, so hatte wohl auch in jener Jury Einigkeit darüber geherrscht, an wen denn in diesem Jahr der Nürtinger Hölderlin-Ring zu vergeben sei. Und so traf es einen, der die beiden wichtigen Kriterien in sich vereint habe, die für Ingrid Dolde ausschlaggebend für die Verleihung des Ringes seien.

Sowohl die revolutionäre Initiative und die Verlässlichkeit des Institutionellen spielten in der Vita des Schauspielers, Rezensenten, Theaterintendanten und fünffachen Vaters Bernhard Hurm eine gewichtige Rolle, wie die Vereinsvorsitzende in ihrer Laudatio anmerkte: „Wenn Sie die Vita hören, wissen Sie, was ich meine.“ Danach gründete der heute 55-Jährige 1981 zusammen mit seinem ehemaligen Sportlehrer Uwe Zellmer das Theater Lindenhof in Melchingen auf der Schwäbischen Alb. Seit 1993 ist er nunmehr Intendant des wohl einzigen Regionaltheaters in Deutschland, was ihn jedoch nicht davon abhält, neben seiner Regie- und Schauspieltätigkeit in Melchingen alleine oder im Duo mit Uwe Zellmer als Szenendarsteller oder Kabarettist durch die Lande zu ziehen, nicht zuletzt um mit einem aus Szenen und Geschichten von Thaddäus Troll bestehenden Programm den Deutschen nahezubringen, wie der Schwabe tickt.

Vorzüglich aber – und damit war man am Donnerstagabend im Stadtmuseum Nürtingen, dessen Leiterin Angela Wagner-Gnan übrigens als Vorgängerin Hurms im „Amt“ des Ringträgers und Hausherrin die Aufgabe übernommen hatte, die Gäste an diesem Abend zu begrüßen, wieder bei der dichterischen Hinterlassenschaft Friedrich Hölderlins angelangt – betätigt sich Bernhard Hurm als ebenso engagierter wie kongenialer Rezitator, nicht zuletzt der Gedichte des großen Sohnes der Stadt Nürtingen. Davon gab der Geehrte denn auch eine zwanzigminütige Kostprobe, nachdem ihm Goldschmied und Stadtrat Jürgen Gairing den silbernen Reif mit dem Porträt des Lyrikers und der Umschrift „Was bleibet aber stiften die Dichter“ überreicht hatte.

Voller Begeisterung durfte sich das runde halbe Hundert Gäste mit dem mittlerweile eingetroffenen Oberbürgermeister Otmar Heirich anhand der sich auf seine Heimatstadt Nürtingen beziehenden Dichtungen von den diesbezüglichen Fähigkeiten des leidenschaftlichen Mimen überzeugen: „Der Winkel von Hardt“, „Die Eichbäume“, „Die Heimat“, „Rückkehr in die Heimat“ und zuletzt das in expressiven Landschaftsbeschreibungen schwelgende Gedicht von der „Heimkunft, an die Verwandten“ gerichtet, das mit den vielsagenden Worten schließt: „Sorgen, wie diese (um das, was Hölderlin unter ‚Himmlisches‘ versteht), muß, gern oder nicht, in der Seele tragen, ein Sänger und oft – aber die anderen nicht.“ Dazu passend hatten Janina Haspel, Miriam Müller und Mathis Krause vom Nürtinger Hölderlin-Gymnasium einige Stücke für Oboe, Klarinette und Fagott aus der französischen Spätromantik ausgewählt, um damit den musikalischen Rahmen der Verleihungsfeier zu bestreiten.

Spätestens nach den hinreißenden Rezitationen der genannten Gedichte war auch nicht der leiseste Zweifel daran mehr erlaubt, dass Ingrid Dolde – und mit ihr die Jury – gar nicht anders konnte, als Bernhard Hurm mit Friedrich Hölderlins Worten die Frage zu stellen: „Wem sonst, als dir, Bernhard?“

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