Hölderlin-Nürtingen

Presse: Appell zum Erhalt des Hölderlinhauses in Nürtingen

Das Hölderlinhaus in Nürtingen – Ein Appell für den Erhalt der historischen Bausubstanz

2016 - Hölderlin Nürtingen e.V.
Historisches Bild des Hölderlinhauses in Nürtingen

Friedrich Hölderlin 1770 - 1843

Ein großer Dichter der Weltliteratur hat in Nürtingen nicht nur seine Kindheit und Jugend verbracht, nach Nürtingen kehrte er immer wieder zurück, hier schuf er wichtige Werke. Hölderlin besaß zeit seines Lebens das Nürtinger Bürgerrecht. Seine Familie und sein Haus waren ihm besonders wichtig. Im Brief an die Mutter schrieb er explizit von seinem „Hauße“: „Man lernt sehr, sehr viel in der Fremde, liebste Mutter! Man lernt seine Heimath achten. Wie ein Kind erzähle ich oft meinem Freunde von meinem Hauße, wie mirs da immer so wohl gieng, von meiner Mutter und Grosmutter – und meinen Geschwistern.“ (Jena. d. 22 May. 95)

In Nürtingen können wir uns glücklich schätzen, ein Haus zu haben, das – trotz aller baulichen Veränderungen – immer noch das originale Haus ist. Wir haben damit einen noch weithin authentischen Wirkungsort, an dem auch das „Gärtlein“ und der ehemalige Hofplatz bei der „Mutter Haus“ noch vorhanden sind. Das Hölderlinhaus ist ein wichtiger Wohn- und Wirkungsort Hölderlins, Entstehungsort von Gedichten und der Vorstufe zum Briefroman Hyperion. Sein Zimmer im Stockwerk über der Beletage hat Hölderlin bis Ende 1795 bewohnt, während der Seminar- und Studienzeit verbrachte er hier die Ferien und längere Kuraufenthalte. Im zweiten Halbjahr 1795 war sein letzter längerer Aufenthalt im Hölderlinhaus, das die Familie Hölderlin-Gock von 1774 bis 1798 bewohnte.

Das Hölderlinhaus in Nürtingen – ein vergeblicher Einsatz für den Erhalt?

Anfang 2008 hatte der Nürtinger Gemeinderat entschieden, das Hölderlinhaus abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Die Wende brachte 2009 das von der Stadt beauftragte Gutachten, in dem der Bauhistoriker Dr. Johannes Gromer den hohen historischen Wert des Gebäudes auch mit Bezug zu Hölderlin feststellt. Deshalb wurde der Abrissbeschluss des Hölderlinhauses vom Gemeinderat im April 2014 aufgehoben. Die aktuellen Planungen der Stadtverwaltung zum Hölderlinhaus sehen eine Auf-stockung des historischen Gebäudes vor. Es besteht jedoch aus unserer Sicht keine überzeugende sachliche Notwendigkeit, das Haus aufzustocken. Die Verwaltung der Volkshochschule und des Kulturamts müssen nicht im Hölderlinhaus untergebracht sein. Im Stadtkern und auf dem Schlossberg gibt es eine ganze Reihe von angemessenen Unterbringungsmöglichkeiten.

Eine Aufstockung und der damit verbundene Zwang zu aufwändigen und teuren Maß-nahmen zur Erdbebensicherheit und zum Brandschutz würden zu einer weitgehenden Zerstörung der von Gromer nachgewiesenen Bausubstanz aus der Zeit Hölderlins führen und würden das Haus als Wohnhaus Hölderlins unglaubwürdig machen. Gleichzeitig geht man ein unkalkulierbares Kostenrisiko ein. So entstünde die paradoxe Situation, dass eine Zerstörung des historisch-literarischen Erbes auch noch mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden ist. Die leeren Kassen im Haushalt der Stadt im Jahr 2016 haben nun erst einmal die Planungen und die drohende Aufstockung des Hölderlinhauses gestoppt. Vielleicht doch noch eine Chance zum Umdenken und zur authentischen Sanierung?

Eine von uns geforderte dendrochronologische Untersuchung wurde bisher verweigert, weshalb noch nicht geklärt ist – ob wie wir vermuten – tatsächlich noch die Kern-konstruktion des ursprünglichen Walmdaches vorhanden ist. Sollte die Untersuchung, die unser Verein gerne bezahlen würde, ergeben, dass entgegen unserer begründeten Annahme die alte Kernkonstruktion des Daches nicht mehr vorhanden ist, dann sollte man überlegen, ob das Dach in seinem gegenwärtigen Zustand saniert wird. Das ganze Gebäude sollte möglichst unter Vermeidung weitgehender Maßnahmen zur Erdbeben-sicherheit ertüchtigt werden. Es geht im Grundsatz darum, die historische Bausubstanz aus Hölderlins Zeit zu erhalten, denn es gibt kein Haus in ganz Deutschland, das als Wohn- und Wirkungsort Hölderlins noch so viel an Originalsubstanz aufweist wie das Hölderlinhaus in Nürtingen.

Eine authentische Sanierung dient auch dem Denkmalschutz. Das Hölderlinhaus in Nürtingen ist eindeutig ein Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes. Kulturdenkmale im Sinne dieses Gesetzes sind unter anderem Gebäude, „an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht.“

Unsere Forderungen bezüglich des Hölderlinhauses sind:

  • keine Aufstockung des historisch wertvollen Gebäudes
  • keine Maßnahmen, die die historische Substanz zerstören
  • eine Deklaration als Denkmal
  • eine authentische Sanierung

Nürtingen, im März 2016 gez:
Peter Härtling, Barbara Leib-Weiner, Horst Ansel, Jürgen Gairing, Ingrid Dolde, Udo Hoffmann, Annette Adams und André Kayser.

Unterstützer

Der Appell des Vereins Hölderlin-Nürtingen wird von unserem Ehrenmitglied Peter Härtling unterstützt. Wir konnten auch andere Schriftsteller und Wissenschaftler als Unterstützer gewinnen, die ausgewiesene Kenner Hölderlins sind. Eine knappe Darstellung der Bezüge der Erstunterstützer zu Hölderlin fügen wir hier an. Wir haben weitere Unterschriften erhalten und freuen uns sehr, wenn noch mehr Namen dazu kommen.

Peter Härtling

(*1933) Prof. h.c. ist Schriftsteller. Er wurde mit vielen Literaturpreisen und Auszeichnungen anderer Art geehrt. Härtling war von 1998 bis 2006 Präsident der Hölderlin-Gesellschaft. Seit 2004 ist er Ehrenbürger der Stadt Nürtingen und seit 2013 Träger des Nürtinger Hölderlin-Rings.

Bezug zu Hölderlin:

  • Hölderlin und Nürtingen. 1970. Eine Sammlung von Essays zum 200. Geburtstag Friedrich Hölderlins hrsg. von Peter Härtling und Gerhard Kurz.
  • Hölderlin. Ein Roman. 1976. Der Romancier Peter Härtling folgt den Lebensspuren des deutschen Dichters Friedrich Hölderlin (1770 - 1843). Der Roman wurde zu einem Vorbild für die literarisch-biographische Erforschung eines Künstlerlebens. Der Roman ist nicht nur eine inzwischen berühmt gewordene Version von Hölderlins Leben, so wie es gewesen sein könnte, er ist auch ein Novum in der Art, wie Härtling seinen eigenen Arbeitsprozess und seine Beziehung zu Hölderlin, seinem Werk und der Landschaft, aus der er schöpft, in den Roman integriert hat.
  • Der Wanderer. 1988. Härtling stellt die Wege anderer Wanderer vor, auch Hölderlin ist gegenwärtig in diesem Buch über Wanderschaft und Fremde.

Navid Kermani

(*1967) ist Schriftsteller, Publizist und habilitierter Orientalist. Er wurde mit zahlreichen renommierten Kultur- und Literaturpreisen ausgezeichnet. 2015 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Bezug zu Hölderlin:

  • Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe. Frankfurter Poetikvorlesungen 2010. Navid Kermani stellt die Poetiken von Friedrich Hölderlin und Jean Paul ins Zentrum seiner Betrachtungen und setzt sich an ihrem Beispiel sowie im Hinblick auf sein eigenes Schaffen mit dem Erzählen vom Zufall und den Zufälligkeiten des Erzählens auseinander.
  • Dein Name. Roman 2011. Navid Kermani schreibt über alles, was es zu wissen gibt über sein Leben und das Leben überhaupt: die Gegenwart und die Vergangenheit seiner Familie, die Erinnerung an gestorbene Freunde und die mitreißende Lektüre Jean Pauls und Hölderlins.

Winfried Menninghaus

(*1952) Prof. Dr. ist Komparatist, Literaturwissenschaftler, Hochschullehrer und Gründungsdirektor des neuen Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main.

Bezug zu Friedrich Hölderlin:

  • Hälfte des Lebens. Versuch über Hölderlins Poetik. 2005. Leitfaden der gesamten Studie ist das berühmte Gedicht Hälfte des Lebens, nach dessen Veröffentlichung im Jahr 1804 Hölderlin kein weiteres mehr selbst zum Druck gebracht hat. An Hölderlins Sprachkunst werden vielfache Spuren seiner Beschäftigung mit der Dichterin Sappho aufgezeigt, die bislang weitgehend gegenüber der Orientierung seiner späten Gedichte an Pindar vernachlässigt worden waren. Die Studie integriert in die Analyse von Hölderlins materialer Arbeit an der Sprache die mythologischen Horizonte des Gedichts, Hölderlins Philosophie der »Schönheit« sowie zentrale Aspekte seiner Theorie der Dichtung.

Hans-Ulrich Gumbrecht

(*1948) Prof. Dr. ist ein deutsch-amerikanischer Romanist, Literaturwissenschaftler und Literaturhistoriker, Hochschullehrer und Publizist. Er ist Inhaber des Lehrstuhls Komparatistik an der Stanford University. Er ist der Albert Guerard Professor in Literature an der Stanford University.

Essays und Blog-Beiträge zur aktuellen Bedeutung Hölderlins:

  • Hölderlins Sprache und Heidelberg — strophenweise. FAZ-Blog 2014
  • Die süße Ruhe im Wahnsinn: über ein spätes Gedicht von Friedrich Hölderlin. FAZ-Blog 2014
  • Hölderlin nach dem Zeitalter der Ideologien – und die herausfordernde Fremdheit seiner Sprache. Gastvortrag, Berlin 2014

Uwe Kolbe

(*1957) ist Lyriker, Essayist und Prosaautor. Er wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Bezug zu Friedrich Hölderlin:

  • Die Begegnung mit Werk und Leben Hölderlin zieht sich als sichtbare Spur durch seine Arbeiten. Das betrifft historische und mythologische Anspielungen, direkte Zitate, immer wieder auch die Behandlung des Verses und der Syntax im Gedicht. Deutlich wird die Bezugnahme bereits in dem Gedichtband Bornholm II von 1985, in dem Buch Vaterlandkanal, vielfach in dem in Tübingen entstandenen Gedichtband Die Farben des Wassers von 2001, aber auch in allen folgenden bis hin zu Gegenreden von 2015.
  • Die Beziehung Hölderlins zu der Bankiersgattin Susette Gontard in der Zeit des ersten Homburger Aufenthalts ist Gegenstand von Kolbes Erzählung Hölderlins Gewissen. Im Band 39 der Frankfurter Anthologie interpretiert Uwe Kolbe Hölderlins Distichon Sophokles.
  • 1993 mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis Tübingen ausgezeichnet, lebte und unterrichtete Uwe Kolbe von 1997 bis 2004 als Leiter des ‚Studio Literatur und Theater‘ der Universität in Tübingen.

Winfried Setzler

(*1943) Prof. Dr. ist fundierter Kenner der Geschichte und Kultur der Universitätsstadt Tübingen und des Landes Baden-Württemberg.

Benedikt Erenz

Hamburg

Christa Kozik

(*1941) ist Schriftstellerin, Filmszenaristin und Hörspielautorin. Ihr Hauptwerk sind Bücher und Filme für Kinder, aber auch Stoffe für Erwachsene hat sie bearbeitet.

Bezug zu Friedrich Hölderlin:

  • Sie schrieb das Filmszenarium zum DDR-Spielfilm Hälfte des Lebens (1985) über das Schicksal Friedrich Hölderlins. Sie ist Trägerin des Nürtinger Hölderlin-Rings 2014.

Herrmann Zschoche

(*1934) ist Drehbuchautor und Filmregisseur. Herrmann Zschoche ist als DEFA-Regisseur bekannt für seine Kinder- und Jugendfilme sowie seine kritischen Gegenwartsfilme, mit denen er über die DDR hinaus Aufmerksamkeit erregt. Er gehört zu den produktivsten und erfolgreichsten Filmemachern in der DDR.

Bezug zu Friedrich Hölderlin:

  • Er führte 1985 Regie in dem DDR-Spielfilm Hälfte des Lebens (in den Hauptrollen: Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe) über das Leben des Dichters Friedrich Hölderlin. Er ist Träger des Nürtinger Hölderlin-Rings 2014.

Peter Sloterdijk

(*1947) Prof. Dr. ist Philosoph, Kulturwissenschaftler und Buchautor. Er lehrt an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe Philosophie und Ästhetik.

Josephine Alma Dolde

Tübingen

Günther Balz

Oberboihingen

Karin Weinmann

Tischardt

Michael Schmid

Großbettlingen

Raimund Braun

Nürtingen

Holly Loose

Berlin

Silvio Schneider

Dresden

Karl-Heinz Frey

Nürtingen

Karl Helbig

Radebeul

Elke Richter

Nürtingen

Über den Verein Hölderlin-Nürtingen. Wir freuen uns auf neue Mitglieder und über Sponsoren für unser Kulturprogramm. Unseren Sponsoren herzlichen Dank – sie machen unsere Beiträge zur Kultur möglich:

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